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Jason Goes to Hell - Die Endabrechnung (1993)

Eine Kritik von
eingetragen am 28.02.2004, seitdem 739 Mal gelesen



ACHTUNG SPOILER
Wer diesen Film noch nicht gesehen hat und nicht über Details informiert werden möchte, sollte hier aufhören zu lesen.

JASON GOES TO HELL - THE FINAL FRIDAY

Story:
Normalerweise 'stirbt' Jason ja immer am Ende einem seiner Filme. Dieses Mal wird er allerdings gleich zu Beginn von einer Schar von SWAT-Einheiten mit Kugeln regelrecht durchsiebt und anschließend in die Luft gesprengt. Und obwohl es Körperteile vom Himmel regnet, schlägt sein Herz natürlich immer noch. Der erste, dem das auffällt, ist ein Arzt in der Pathologie, der aus irgendeinem Grund mit einem Mal den Drang verspürt, dieses aufzuessen (?!). Jason ist nämlich gar nicht tot. Lediglich der wandelnde Leichnam mit der Hockeymaske existiert nicht mehr, Jasons böser Geist allerdings sehr wohl. Dieser befällt in Gestalt eines wurmartigen Geschöpfs (?!) per Mund-zu-Mund-Übertragung (?!) die Körper normaler Menschen und lässt sie für sich morden - so kommt es, dass Jason dieses Mal in Gestalt vieler verschiedener Personen auftritt. Nur einer kann das schier endlose Grauen endgültig aufhalten: einer von Jasons Verwandten - und genau hinter denen ist er her...

Bei der Gelegenheit erfahren wir, dass Jason eine Schwester hat (oder viel mehr hatte, weil sie im Verlauf des Films von 'Jason', da noch in Gestalt eines Polizisten, gekillt wird), dass diese Schwester eine Tochter hat (die überlebt allerdings) und diese Tochter ein Baby hat. Aha. Und der Freund der Tochter erfährt von einem Typen namens Creighton Duke, wie man Jason vernichten kann (woher dieser Duke das alles so genau weiß, wird uns auch nicht erklärt) und jagt ihr schnurstracks hinterher, um ihr sein neues Wissen zu offenbaren und mit ihr zusammen Jason zu fetzen, der am Ende wieder als 'er selbst' in 'seinen' Körper mit Maske und allem Drum und Dran schlüpft (obwohl der am Anfang in die Luft gejagt wurde - aber macht ja nix), dann mit einem 'magischen Dolch' (?!) erstochen wird und anschließend von irgendwelchen Händen (?!), die aussehen wie aus Gummi, in die Erde gezogen wird und ein für allemal (denkste!) von der Welt verschwunden ist.

Was zum Geier noch mal ist das für ein Möchtegern-Fantasy-Splatter-Quark? Und das soll nun also der FINAL FRIDAY, der letzte FREITAG DER 13. sein? Wo soll ich bei so einem Salat anfangen? Am besten vorne.

Dass die Reihe nach dreizehn Jahren und acht Filmen ausgelaugter denn je war, werden wohl nur Hardcore-Friday-Fans leugnen können. Vier Jahre dauerte es, bis New Line Cinema (Produktionsfirma aller NIGHTMARE ON ELMSTREET - Filme) dann diesen neunten Part rausbrachte; dass sich kein weiterer Freitag der 13. - Standart - Teenie - Slasher mehr als rentabel erweisen würde, war nach den bis zuletzt immer schwächer gewordenen Einspielergebnissen abzusehen und so entschloss man sich dann, diesem Teil den viel versprechenden Titel JASON GOES TO HELL zu geben und damit das Ende aller blutigen Freitage einzuläuten (der erste Versuch dies zu tun war 1984 toll gelungen und ein Jahr später aufgrund der Geldgeilheit zerstört worden). Zwecks dessen wurde auch in der Storyline um den ewig zurückkehrenden, unzerstörbaren Jason ein Break gewagt. Und ob der gut war, darüber lässt sich streiten.

Die Idee, Jason als eine Art 'Virus' verschiedene Menschen befallen zu lassen und auf diese Weise zum Weitermorden zu befähigen, wäre in einem allein stehenden Splattermovie akzeptabel gewesen, doch in diese Reihe (und vor allem in die Position des 'Finales') will diese Handlung definitiv nicht reinpassen.

Zu Grunde gerichtet wird das Ganze durch die Inszenierung. Der ganze Film wirkt auf mich arg konzeptlos gedreht, ständig wird von einer bluttriefenden Szene zur nächsten gehetzt, für die Handlung an sich wichtige Figuren wie die Schwester von Jason werden zu unpassenden Zeitpunkten zwischendurch eingebaut und nebensächlich behandelt und der Einfall mit der Figur des Kopfgeldjägers Creighton Duke, von dem bislang nirgends die Rede war aber welcher Jason trotzdem besser als jeder andere zu kennen scheint, kommt idiotisch daher. Bislang hatten die Filme noch immer diesen gewissen 'internen' Flair: Jason kam an den guten alten Crystal Lake und veranstaltete ein Blutbad nach dem nächsten, aber am Ende sah man dennoch maximal einige Polizeiautos, einen Krankenwagen und einen Sheriff usw. . Hier allerdings stellt die Szene, in welcher jener Creighton Duke ein Fernsehinterview gibt, Jason als einen Massenmörder dar, der inzwischen in den ganzen USA bekannt wie ein bunter Hund ist. Da das Drehbuch zusätzlich noch mit mehreren Logikfehlern aufwartet (wie kann Jason am Ende in seinem alten Körper auftreten, wenn der doch längst zerfetzt ist und Jason genau aus diesem Grund die Körper anderer braucht um weiter zu töten?), man keiner einzigen der Figuren nahe gebracht wird (sie sind sowieso die ganze Zeit nur am Rennen und Ballern und versuchen, gerade so gut zu schauspielern, dass man nicht merkt, dass sie offenbar nicht mal ihre Dialoge auswendig konnten) und man aufgrund des ständigen Wechselns der mordenden Personen öfters fast schon vergisst, dass das jedes Mal Jason ist, hat der Film seinen Status als konfuses und leider noch billiges Machwerk schon nach der Hälfte der Spielzeit so gut wie sicher.

Spannungstechnisch wird einem rein gar nichts mehr geboten, weder ein Spannungsaufbau noch ein -ausbau existieren und atmosphärisch habe ich ebenso nichts Nennenswertes entdecken können. Nicht einmal mehr die Schocks können noch großartig überzeugen.

Da der Film von NEW LINE CINEMA produziert wurde, kam nach Ewigkeiten allerdings zum Glück neben der R-Rated-Kino-Version wieder eine Unrated version raus: und die hat es in sich. Wo in den Vorgängern (zumindest in Teil 5-8) an den wirklich brutalen Stellen zwecks R-Ratings geschnitten werden musste, haut diese ungeprüfte Fassung schon ordentlich auf den Putz und beinhaltet logischerweise mit die brutalsten Morde der Reihe. Das hat der Film auch dringend nötig gehabt, denn wenn der Streifen nicht mal mehr für Gorejunkies einen Blick wert gewesen wäre, hätte er vermutlich noch weniger eingebracht als Teil 8. Wie er das im Kino trotz der gezeigten R-Rated-Fassung verhindert hat, kann ich mir nicht so recht erklären. Die Blut- und Ekeleffekte sind jedoch im Großen und Ganzen zufrieden stellend in Szene gesetzt worden. Ich beachte bei deren Bewertung stets, dass es sich bei den FREITAG - Filmen bis dato um keine Mammut-Produktionen mit digitalem Effekte-Schnickschnack sondern eher um Low-Budget-Movies handelte.

Ja, ich bis immer noch nicht fertig mit Kritisieren. Mir klappte die Kinnlade runter, als ich die Musik hörte. Im Ernst, ich dachte zuerst, das läge an der deutschen Tonspur oder so -
aber sie hört sich auch in der englischen Fassung wie die eines Videospiels an: oberflächlich, ohne Tiefe, am Keyboard heruntergeklimpert, peinlich. Dieser Schock komplettierte sich für mich, als in den Credits doch tatsächlich stand, dass dieser Müll von Harry Manfredini stammen soll, dessen bisherige Soundtracks durchgehend zufrieden stellend bis klasse waren.

Nun denn, so zieht sich der Film als seine 75 Minuten hin, bevor im Haus der Familie Voorhees der mies getrickste Showdown startet, der mich qualitativ eher an eine billige TV-Produktion als an das geplante Ende einer Kultfilmreihe erinnerte. Auch der in anderen Reviews genannte Gag mit Freddy Krueger am Ende, auf den ich so gespannt war, hält sich in seiner Innovation in Grenzen.

Und so kann man im Endeffekt nur noch sagen: JASON GOES TO HELL wurde schlicht und einfach vermurkst. Man kann dem Film nicht mal mehr einen gewissen, eigenen Charme zu Gute heißen, etwas, was einige andere Parts der Reihe noch halbwegs rettete. Zwei Gruppen von Menschen sollten sich den 'WALK TO HELL' mal gegeben haben: zunächst natürlich eingefleischte Horror-Junkies (wie ich einer bin), für welche die FRIDAY - Reihe Pflichtprogramm ist. Zum anderen können all jene Splatterfreaks, denen das Vorangegangene zu seicht war, mal auf die Unrated version einen Blick werfen (z.B. die DVD von MOVIE WORLD). Allen anderen kann ich allerdings nur davon abraten, sich diesen Teil auf Partys oder was weiß ich zu geben - da wird aus dem Zeitvertreib schnell pure Zeitverschwendung. Nach dem Ansehen dieses Films sehnte ich mich nach den Old-School-Slasher-Zeiten á la FREITAG DER 13. TEIL 1-4.

JASON FÄHRT ZUR HÖLLE - hoffentlich hat er diesen Teil symbolisch gleich mitgenommen.


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