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Cowboys, Die (1972)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 8 / 10)
eingetragen am 29.10.2009, seitdem 1815 Mal gelesen



  „Der Cowboy-Vater"

In den 1970er Jahren war der qualitative, vor allem aber der quantitative Höhepunkt des amerikanischsten aller Filmgenres längst überschritten. Der Western hatte als Publikumsmagnet ausgedient und musste sich endgültig den vorbeigaloppieren Polit-, Cop- und Actionthrillern geschlagen geben. Lediglich Genreurgesteine wie John Wayne oder Clint Eastwood hielten noch ab und zu die inzwischen nicht zuletzt durch die Spaghetti-Attacken reichlich zerfledderte Fahne hoch und konnten vereinzelt wahrnehmbare Ausrufezeichen setzten.

Die Cowboys
war einer der letzten Western des „Duke" (es sollten lediglich vier weitere folgen). Der bereits sichtlich von seiner Krebserkrankung gezeichnete Wayne läuft hier nochmals zu großer Form auf und schafft das Kunststück den eigenes Mythos zu zelebrieren um ihn dann teilweise wieder zu demontieren.
Der alternde Viehtreiber Will Andersen (Wayne) ist ein bärbeißiger, hemdsärmeliger Westerner der alten Schule. Lakonisch, wortkarg, mürrisch, aber grundehrlich und das Herz am rechten Fleck. Als ihn seine Cowboys kurz vor dem alljährlichen Viehtreiben wegen eines Goldrausches sämtlich im Stich lassen, rekrutiert der verzweifelte Rancher 11 Jungen geradewegs von der Schulbank. Zuvor haben sie ihn durch ihre hervorragenden Reitkünste zumindest fürs Erste überzeugt. Bis zu den Schulferien trainiert er die Halbwüchsigen für den 400 Meilen langen Viehtrieb. Mit dem farbigen Aushilfskoch Jebediah Nightlinger (Roscoe Lee Browne) landet Andersen unverhofft einen Glücksgriff. Er hält die unkonventionelle Cowboytruppe nicht nur mit seinen Berufskünsten, sondern vor allem mit seinen Fähigkeiten als Geschichtenerzähler stets bei allerbester Laune.

Der Film lebt ein erster Linie von Waynes Präsenz, bietet aber auch eine Reihe interessanter Einblicke in den harten Alltag eines Viehtrecks. Wenig Schlaf, lange Nachtwachen, schlechtes Wetter sind nur einige der thematisierten Strapazen. Trotz der jugendlichen Mannschaft wirkt das Szenario allerdings stets glaubwürdig und stimmig.
Neben den alltäglichen Gefahren und Schwierigkeiten einer solchen Unternehmung wird das dramatische Moment vor allem durch eine Bande von ehemaligen Häftlingen vorangetrieben. Angeführt von dem jähzornigen und verschlagenem Long Hair (Bruce Dern) haben sie es auf Andersens Herde abgesehen. Der Film baut den unvermeidlichen Zusammenstoß behutsam auf und liefert einen für viele sicherlich überraschenden Verlauf und Ausgang des Konflikts.

Eine Vorahnung auf das Finale liefert Waynes Charakter bereits zu Beginn des Films, als er zu seiner Frau sagt: „Ich bin jetzt 60 Jahre alt. Ich werde alt." Zwar hatte Wayne bereits in früheren Western mit seinem Image als unverwundbarer und strahlender Westernheld kokettiert (v.a. im Howard Hawks-Klassiker El Dorado), aber hier war keine Flapsigkeit, keine Selbstironie, kein Augenzwinkern dabei. Lediglich eine nüchterne Feststellung über die Endlichkeit des eigenen Daseins. Eine wenn auch nicht schockierende, so doch zumindest verblüffende Aussage eines Actionstars in seinem angestammten Rollenuniversum. Die Szene wirkt um so mehr, als dass man Wayne seine inzwischen 64 Jahre (zur Zeit der Dreharbeiten) auch deutlich ansieht.

Die Cowboys
ist aber nicht nur ein Film über das Älterwerden und den John Wayne-Mythos, sondern auch ein Film über väterliche Vorbilder und Prägungen. Die beiden unterschiedlichen „Vaterfiguren" - der knorrige Andersen gegenüber dem gewitzten und zugänglicherem Nightlinger - sorgen immer wieder für emotionale und humoristische Höhepunkte. Gemeinsam schweißen sie die Jugendlichen im Verlauf des Treks zu einer homogenen „Cowboyfamilie" zusammen. Beide Charaktere ergänzen sich hervorragend uns spielen sich permanent die dramaturgischen Bälle zu.
Dabei wollte der überzeugte Liberale Roscoe Lee Browne zunächst gar nicht mit der Westernlegende drehen. Waynes Ruf als ultrakonservativer Rechtsausleger hatte schon manchen Kollegen des überwiegend liberalen Hollywood verschreckt. Nach der gemeinsamen Arbeit wurde er dann allerdings immer als äußerst liebenswürdig, bescheiden und grundehrlich beschrieben. Ein trotz seiner politischen Überzeugungen fabelhafter Typ und treuer Freund. Ähnlich hat sich auch Lee Browne geäußert und zumindest auf der Leinwand stimmt die Chemie zwischen den beiden in jeder Szene.

Fazit:
Fernsehregisseur Mark Rydell ist mit Die Cowboys ein warmherziger, unterhaltsamer und teilweise auch wehmütiger Spätwestern gelungen, der einmal mehr von seinem genreerprobten Hauptdarsteller John Wayne getragen wird. Es geht um den anstrengenden Alltag von Viehtreibern, jugendliche Abenteuerlust, Vaterfiguren und nicht zuletzt den Mythos vom unverwundbaren Westernhelden. Ein reifes und souveränes Werk.


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