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Tarantula (1955)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 7 / 10)
eingetragen am 19.06.2017, seitdem 91 Mal gelesen



B-Filmer Jack Arnold reüssiert in einigen Genres mit respektablen Ergebnissen, doch kaum ein Genre verdankt ihm so viel wie der Monsterfilm, dem er den 1955er Riesenspinnenklassiker „Tarantula“ schenkte.
Von der Tarantel ist aber vorerst nichts zu sehen, nur ein deformierter Mann, der tot umkippt und in diesem Zustand aufgefunden wird. Matt Hastings (John Agar), der ortsansässige Onkel Doktor, stellt eine schwere Krankheit fest, die einen Menschen eigentlich erst nach Jahren des Siechtums umbringt, doch das Opfer, ein Mitarbeiter eines lokalen Forschungslabors, wurde Tage zuvor noch kerngesund gesehen. Professor Gerald Deemer (Leo G. Carroll) spricht sich gegen eine Obduktion aus, was beim genreerfahrenen Zuschauer bereits die Mad-Scientist-Alarmglocken schellen lässt, obwohl Deemer weniger verrückt als vielmehr verblendet und überehrgeizig ist.
In Deemers Labor kommt es bald zu einem weiteren Zwischenfall und einem schweren Brand, kurz bevor Matt die studentische Hilfskraft Stephanie ‘Stevie‘ Clayton (Mara Corday) dort abliefert. Bei dem Feuer geht die titelgebende Tarantel stiften, die mit einem Nährstoff gefüttert wurde, der ihr Wachstum beschleunigt. Man mag sich wundern, dass hier tatsächlich keine Atombombe bei der Schaffung des Riesenbiests im Spiel war (sonst für das Jahrzehnt und das Genre obligatorisch), doch es darf sich beruhigt werden: Natürlich spielt radioaktive Strahlung beim Zusammenmixen des Nährstoffs eine Rolle.

Matt kommt Deemers Gebaren komisch vor, obwohl viele Einwohner der isolierten Kleinstadt in der Wüste dem alten Wissenschaftler vertrauen. Währenddessen wächst und gedeiht die Tarantel, die natürlich früher oder später auf die Einwohner losgeht…
Im Falle von „Tarantula“ heißt das eindeutig später. Überraschend lange hält der Film sich mit der Exposition auf, in der die Tarantel immer wieder mal bedrohlich am Horizont erscheint und selten irgendwen oder irgendwas anfällt. Dafür geht es dann im letzten Drittel Schlag auf Schlag, wenn das Biest in einer Nacht nicht nur einzelne Opfer verknurpst, sondern gleich an mehreren Stellen die Bevölkerung dezimiert. Noch hektischer ist der Showdown, in den nach und nach immer schwere Geschütze aufgefahren werden: Erst Maschinenpistolen, dann TNT und schließlich Napalm und kaum ist das Vieh besiegt, dann Rollen auch schon direkt die Endcredits. Doch dabei zieht Arnold das Tempo gut an, lässt die Riesenspinne erst Telegrafenmasten und Stromleitungen umreißen, was die Isolation der Stadt noch verstärkt, ehe sich eine Waffe nach der anderen als nutzlos erweist – schade, dass der Film diese Quasibelagerungssituation nicht länger auskostet.
Doch trotz B-Budget sieht „Tarantula“ dabei ziemlich gut aus, lässt echte Taranteln über Modelle krabbeln oder kopiert diese (deutlich häufiger) in das Leinwandgeschehen ein. Das hat zur Folge, dass die Größe der Tarantel mal von Szene zu Szene zu schwanken Zeit, ist für die Zeit und die Verhältnisse aber sehenswert getrickst. Bei den obligatorischen Attacken der Tarantel wird meist mit subjektiver Sicht des Biests auf seine Opfer und Gegenschnitten auf die Beißwerkzeuge eines realen Exemplars gearbeitet, doch damit ist Jack Arnold sehr effektiv, so wie auch die sonstigen Masken- und Projektionstricks, trotz Durchschaubarkeit aus heutiger Sicht und kleiner Patzer, doch auf zeitlose Weise überzeugen können.

Da ist es dann schade, dass die Tarantelattacken nicht etwas besser über den Film verteilt sind, dessen lange Exposition nicht bloß einfaches Blablabla ist. Neben der Atomangst thematisiert der Wissenschaftsplot um die Experimente auch immer noch aktuelle Entwicklungen wie eine globale Bevölkerungsexplosion und die Versorgung der Menschenmassen. Noch dazu harmonieren die vielleicht nicht besonders tiefgründigen, von John Agar, Mara Corday und Leo G. Carroll mit Verve verkörperten Hauptfiguren und sorgen so für Schwung. Erfreulicherweise ist Stevie eine gerade für die 1950er erfreulich patente Figur als angehende Wissenschaftlerin, selbst wenn sie gegen Ende dann doch in erster Linie zum Kreischen und Gerettetwerden da ist.
In einer frühen Rolle als Jetpilot ist zudem Clint Eastwood zu sehen, dessen markantes Gesicht man immer noch gut unter der Fliegermaske erahnen kann. Bis Eastwoods Figur im Showdown dann kurz in Aktion tritt, muss der Zuschauer allerdings auch ein, zwei Unstimmigkeiten übersehen, etwa, dass die hausgroße Tarantel niemandem auffällt (selbst dem via Flugzeug reisenden Doc nicht), egal wie isoliert die Kleinstadt in dem Film auch sein mag. Auch dass der Doc an einer unbekannten Substanz (die sich nachher als Gift der Riesentarantel entpuppt) nicht nur riecht, sondern auch ein wenig davon schmeckt zwecks Feldanalyse wirkt nicht allzu professionell.

Doch trotz einiger logischer und dramaturgischer Schönheitsfehler, gerade was manche nichtgenutzte Möglichkeit in Sachen Spinnenattacken angeht: „Tarantula“ verdient seinen Klassikerstatus, ist immer noch spannend und zeitlos gut getrickst, eine Genrefilm mit kaum Fett auf den Rippen bei einer Lauflänge von weniger als 80 Minuten.


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