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Fressen für die Geier, Ein (1970)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 6 / 10)
eingetragen am 25.10.2007, seitdem 635 Mal gelesen



Ein Mann reitet über eine Ebene. Musik ertönt, der Italo Western Fan weiß diese Klängen stammen von Maestro Ennio Morricone. Das Land in das der Unbekannte reist scheint gefährlich zu sein, wilde Tiere lauern und am Wegesrand liegen Skelette. Der Unbekannte (Clint Eastwood) erinnert stark an den „Blonden" aus „Zwei glorreiche Halunken". Ein Schreien ertönt, eine halbnackte Frau wird von 3 Unholden bedroht. Dynamit wird geworfen, Schüsse fallen und die Frau ist gerettet. Sie zieht sich an, eine Nonne, eine Heilige mitten in der Wildnis. Schwester Sara heißt sie und wird gespielt von Shirley MacLaine. Beide befinden sich in einer gefährlichen Gegend in Mexiko im 19. Jahrhundert. Die Franzosen halten das Land besetzt und unterjochen die Bevölkerung. Der Fremde Hogan ist ein Söldner. Er und die Nonne schlagen sich auf die Seite der Rebellen.

Ein wirklich guter und stimmungsvoller Beginn für einen Italo Western. Nur es ist keiner, sondern ein US Western. Genau das scheint auch das Problem dieses Filmes von Don Siegel zu sein. Genauso gut und stimmungsvoll wie der Anfang ist auch das blutige Ende samt herrlicher Schlusspointe. Was dazwischen liegt schmeckt allerdings nicht so gut. Schauen wir uns mal die Figuren an. Zunächst gibt es da Hogan gespielt von Clint Eastwood. Er wirkt wie ein Abklatsch seiner Figur aus der Dollar Trilogie von Sergio Leone. Nur in wenigen Szenen kann er wirklich den zynischen coolen (Anti-)Helden spielen. Während in Italo Western Söldner eher zwielichtige Typen sind, die sich von jedem bezahlen lassen, so fehlt diese Eigenschaft bei Hogan. Auch scheint er weder glorreich noch so kaputt wie in US Western mit ähnlicher Thematik zu sein. Er ist halt ein Söldner der für Geld für die Rebellen arbeitet. Es fehlt aber auch an richtigen Situationen wo Clint den Colt zücken kann. Es gibt wieder typische Eastwood Szene mit ebensolchen Sprüchen, aber die sind leider etwas rar.

Dann gibt es da Schwester Sara. Der Zuschauer wird aber relativ schnell darauf hingewiesen das Schwester Sara keine richtige Nonne ist. Nur Hogan ist über diese Tatsache erstaunt. Die charmante Shirley MacLaine sieht aber nun mal als Nonne einfach gut aus. Ihr Gesicht wirkt zu stark geschminkt und eine Spur zu bleich fast puppenhaft. Allerdings scheint Shirley MacLaine die bessere und interessantere Rolle im Film bekommen zu haben. Nach der Rettung von Schwester Sara, sind Handlung und Dialoge ganz auf Schwester Sara ausgerichtet. Fast so als ob Hogan ab diesem Zeitpunkt nur mehr als schlauer Reisebegleiter dient. Erst wieder bei dem wirklich toll inszenierten Angriff auf das Fort, samt Vorbereitung, darf Clint Eastwood wieder glänzen. Hier wird auch mit Gewaltszenen in Italo Western Manier nicht gegeizt.

Zwischen der Rettung von Schwester Sara und dem Angriff auf das Fort passiert leider nicht allzu viel. Natürlich geraten beide in brenzlige Situationen. Aber irgendwie muss der Zuschauer mit Hilfe von Morricone auf die Gefährlichkeit hingewiesen werden. Eine Szene wurde schon oftmals in diversen Western gesehen. Ein mexikanischer Freiheitskämpfer wird an die Mauer gestellt und von Soldaten erschossen. Dazu die Klänge von Morricone. Eine Szene die den Film in die Länge zieht und künstlich wirkt. Fast so, damit der Zuschauer zwischendurch noch ein paar Schüsse hört und ein bisschen Blut sieht. Um aber anscheinend nicht zu viel Italo Western Flair herein zu bringen, tauchen einige Minuten später plötzlich Indianer auf. Wie beide dieser Gefahr recht unkonventionell begegnen möchte ich hier aber nicht erwähnen. Auch dass einem wahrscheinlich das Trommelfell platzt, wenn eine Schusswaffe direkt neben seinem Ohr abgefeuert wird, soll nur am Rande registriert werden.

Der Filme hätte ein Klassiker des Genres sein können. Doch der Spagat zwischen Italo und US Western gelingt nicht ganz. Für mich fehlen im Mittelteil einfach die Schießereien und so überwältigend spannend wird es auch nie. Clint Eastwoods Figur ist mir zu wenig zynisch und eigennützig. Shirley MacLaine kann als charmante Nonne durchaus punkten. Die Dialoge zwischen beiden sind nicht immer wirklich witzig, so als ob der letzten Pointen Schliff fehlte. Der große Pluspunkt des Films ist eindeutig die Musik von Morricone. Die trifft wieder mal den Film haargenau und hilft Schwächen zu überbrücken.

Zwischen Anfang und Ende kann einem schon mal ein Gähnen entkommen. Nicht der beste Western mit Clint Eastwood, doch interessant für Fans des Genres bleibt dieser Film allemal. Dafür sorgen die tollen Szenen zu Beginn und am Ende des Films, als auch der Soundtrack von Ennio Morricone. Der wirkliche große Erfolg von dem Duo Eastwood und Regisseur Siegel „Dirty Harry" (1971) sollte später folgen.


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