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Dumbo - Der fliegende Elefant (1941)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 7 / 10)
eingetragen am 14.09.2007, seitdem 1348 Mal gelesen



„Dumbo“ ist der dritte Zeichentricklangfilm aus den Disney-Studios mit einer durchgängigen Handlung. Nachdem die Firma mit „Fantasia“ eine Bauchlandung erlebte verließ man sich wieder auf eine einfache Geschichte. Die Geschichte um den kleinen Elefanten mit großen Ohren, der überall nur auf Spott und Missachtung stößt rührte die Kinder zu Tränen, ohne mit einer derart tragischen Komponente aufzuwarten wie es im nächsten Film „Bambi“ geschah.

Was das Charakterdesign betrifft, so hält sich Disney streng an den von ihm bevorzugten naturalistischen Zeichenstil, und obwohl er die Produktion nicht so minutiös überwachte wie es noch bei den drei Vorgängern der Fall war, so verlangte er seinen Animatoren durchweg Höchstleistungen ab. So lassen sich selbst nach heutigen Maßstäben kaum Kritikpunkte an der Gestaltung des Films festmachen, zumindest in ästhetischer Hinsicht. Wie üblich gleichen die Figuren nicht überstilisierten Cartoons-Charakteren sondern entsprechen trotz ihrer Vermenschlichung doch ihren realen Vorbildern. Die mimischen Eigenheiten der verschiedenen Tiere wurden von den Disney-Zeichnern schon immer genauestens studiert um einen natürlichen Effekt zu erzielen und den Charakter der jeweiligen Tierart nicht zu verfälschen.

Detailverliebt wie nur Disneyfilme zu dieser Zeit waren, ist jede Szene angefüllt mit kleinen und kleinsten Ausschmückungen wie zum Beispiel der vermenschlichte Zug oder die schön arrangierten Hintergründe. Von selig, verträumt bis hin zu anrührend melancholisch, beängstigend und abenteuerlich reichen die facettenreichen emotionalen Schwerpunkte, denen eine einfache Quintessenz zugrunde liegt: Nur wenn man sich selbst akzeptiert und zu seiner Individualität steht kann man glücklich werden und seine eigenen Fertigkeiten entwickeln.
In einer berühmten Sequenz endet die eigentliche Handlung und der Film vergisst vorübergehend seinen narrativen Strang: als Dumbo sich durch ein Versehen berauscht und seine wirren Halluzinationen visualisiert werden verwandelt sich der ansonsten so ruhige Kinderfilm in einen psychedelischen Fiebertraum. Für Kinder ist diese Sequenz nur schwer verdaulich und auch sonst fällt der betreffende Abschnitt sowohl rhythmisch als auch erzählerisch aus dem Rahmen.

Der deutsche Untertitel „Der fliegende Elefant“ nimmt die Schlusspointe schon vorweg, erst in den letzten Minuten erkennt die Hauptfigur, die übrigens im ganzen Film kein einziges Wort spricht, ihre besondere Fähigkeit. Schon nach einer Stunde ist Schluss, irgendetwas fehlt – letztendlich gab es zwar einen emotionalen Höhepunkt, doch keinen abenteuerlichen, actionreichen oder zumindest spannenden. Emotionell funktioniert die Handlung zwar bestens, ist aber arm an Wendungen und nahezu durchtränkt von Pathetik. In vielen Sequenzen werden bittere Tränen vergossen und die Grundstimmung ist die meiste Zeit über sehr betrübt. Nur der Sidekick Dumbos, die plappernde Maus, erzeugt einen positiven Gegendrall, unterstützt von Randfiguren wie den Raben oder den Störchen.

Anders als in „Schneewittchen und die 7 Zwerge“ und „Pinocchio“ verwendete Walt Disney einen zeitgenössischen Stoff, die literarische Vorlage war 1939 erschienen und damit noch aktuell. Als Abwechslung zu den hinlänglich bekannten Märchenverfilmungen, bot sich hier also eine frische Storyline an, die aber vielleicht besser in einen aufwendigen Kurzfilm adaptiert worden wäre. Ähnlich wie die Vorlage zum brillanten Kurzfilm „Ferdinand der Stier“ bietet das Grundgerüst nur wenig echte Handlung. Da Disney Füllszenen verabscheute und auf inhaltliche Stringenz hohen Wer legte, beträgt die Laufzeit konsequenterweise nur eine knappe Stunde.

Trotz dieser leichten Schwäche gelingt es dem Team das glasklar Beste aus der einfachen Geschichte heraus zu kristallisieren und eine unvergängliche Parabel auf den Wert von Toleranz und Individualismus zu schaffen. Die Auswahl des Stoffes beweist Disneys untrügliches Gespür wenn es um einen massentauglichen Hit ging. Nur „Fantasia“ war wie hinter den Erwartungen zurück geblieben, also gab es in „Dumbo“ keine Experimente. Ein griffig geschriebenes Drehbuch, liebevoll kreierte Figuren und der typische Disney-Charme fügen sich zu einem harmonischen, runden Gesamtwerk mit organisch in die Handlung eingearbeiteten musikalischen Sequenzen.

Fazit: Phasenweise arg kitschiger, brillant gezeichneter Zeichentrickklassiker. „Dumbo“ begeisterte wie die anderen Meisterwerke der Disney-Schmiede Generationen von Kindern und Nostalgikern. Dennoch aufgrund der einfach gestrickten Dramaturgie und der weitgehend fehlenden Doppelbödigkeit der schwächste Film der frühen Langfilme Disneys, in Anbetracht des gigantischen künstlerischen Schattens den die anderen Werke über „Dumbo“ warfen, ist er aber immer noch ein höchst überdurchschnittlicher Film.

7,5 / 10

Aufgrund des afroamerikanischen Flairs und den dazugehörigen Klischees, der den Raben im Film anhaftet, geriet „Dumbo“ häufig in eine Diskussion wegen angeblichen, unterschwelligen Rassismus. Bedenkt man die politisch oftmals inkorrekte politische Attitüde amerikanischer Zeichentrickproduktionen, sind diese Vorwürfe allerdings haltlos übertrieben und kaum von triftigen Argumenten untermauert.


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