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Headspace (2005)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 4 / 10)
eingetragen am 05.08.2006, seitdem 1086 Mal gelesen



„Headspace“, das Spielfilmdebüt des ehemaligen Kinderdarstellers Andrew van den Houten, steht nach diversen Festival-Screenings in dem Ruf, ein echter Genre-Geheimtipp zu sein, u.a. weil die interessante Kombination aus Psychothriller und klassischem „Creature Feature“ mit einigen Preisen ausgezeichnet wurde sowie Kritiker und Publikum gleichermaßen (überwiegend) zu begeistern vermochte. Meine Neugier war geweckt. Hinzu kommt die Tatsache, dass es dem Regie-Newcomer gelang, einige bekannte Namen für die Besetzung zu gewinnen – unter ihnen auch Udo Kier, a personal favorite of mine…

Die Story beginnt mit einer Rückblende: Der kleine Harry (Daniel Manche) feiert gerade im Beisein seiner Liebsten (beide Eltern sowie Bruder Alex, gespielt von Quinn Lujan) seinen zehnten Geburtstag, als seine Mutter (Sean Young) plötzlich unter Nasenbluten zu leiden beginnt. Später am Abend finden die drei männlichen Familienmitglieder sie im Schlafzimmer kauernd vor – mit den blutigen Überresten ihres Hundes im Schoß. Irgendwann in der Nacht werden die Jungen dann von ihrem Vater (Larry Fessenden) geweckt und überstürzt in den vorm Haus bereitstehenden Wagen verfrachtet, wohin Mom ihnen allerdings mit einem merkwürdigen Gesichtsausdruck und zwei großen Küchenmessern hinterm Rücken folgt – Dad sieht sich daraufhin dazu gezwungen, von seiner mitgeführten doppelläufigen Schrotflinte tödlichen Gebrauch zu machen…

Etliche Jahre später: Alex (Christopher Denham) ist inzwischen Mitte 20 und schlägt sich in New York durchs Leben, hauptsächlich indem er die edle Manhattan-Wohnung eines reichen Ehepaars hütet, während jene kreuz und quer durch die Welt jetten. An seine Vergangenheit kann er sich nur noch bruchstückhaft erinnern, seit sein Vater beide Kinder (getrennt voneinander) zur Adoption freigegeben hat. Eines Tages spielt er im Park eine Partie Schach mit dem lokalen Champion Harry (Erick Kastel), welche er beinahe in Rekordzeit verliert. Trotz seiner ständigen Kopfschmerzen lässt ihn das nicht los, weshalb er sich ans Lesen eines Buches zu dem Thema macht – nur um verwundert festzustellen, dass er es innerhalb von Minuten durchzuarbeiten und gar zu verstehen vermag. Diese Fähigkeit weitet sich schnell auch auf andere Bereiche seines Alltags aus – er nimmt niedergeschriebene Inhalte binnen Sekunden auf, kann plötzlich selbst Gedanken und Erinnerungen anderer lesen. Parallel zu seinen konstant ansteigenden mentalen Fähigkeiten nimmt die Intensität seiner Migräne jedoch ebenfalls zu – bis er eines Tages im Beisein seines einzigen Kumpels (Paul Sparks) ohnmächtig zusammenbricht und von diesem ins Krankenhaus gebracht wird, wo man eine Computer-Tomographie an ihm durchführt und feststellt, dass sein Gehirn im Bereich der Verarbeitung von kognitiven Prozessen aktiver arbeitet als bei jedem anderen bislang untersuchten Patienten. Nachdem sein behandelnder Arzt (William Atherton) Zeuge seiner Fähigkeit wird, unausgesprochene Sätze bereits zu kennen, wittert er ein famoses Studienobjekt, das der Klinik zugleich hohe neue Fördergelder bescheren könnte. Da seine Kollegin (Dee Wallace-Stone) aber keine Grundlage anordnen kann, Alex gegen seinen Willen nicht zu entlassen – schließlich befindet er sich ansonsten in einer guten körperlichen Verfassung – empfiehlt sie ihm die Psychiaterin Dr. Karen Murphy (Olivia Hussey), welche Erfahrungen mit derartigen Phänomenen besitzt, und lässt ihn gehen.

Obwohl er es sein Leben lang gehasst hat, fixiert er sich in der Folgezeit immer stärker aufs Schachspielen. Bei einer Partie in Harry´s Wohnung macht er irgendwann eine seltsame Entdeckung: Die Motive, die jener als Maler auf die Leinwand bannt, ähneln verblüffend seinen eigenen Albträumen, von denen er jüngst immer stärker heimgesucht wird. Nicht ganz sicher, was er davon halten soll, nimmt er weiter an den Sitzungen mit Karen teil, doch die Visionen werden immer schlimmer und vermengen sich zudem mit seiner Realitätswahrnehmung: Neben den Kopfschmerzen und Flashbacks aus seiner Vergangenheit entwickelt er die Überzeugung, ein Monster würde in seiner Abstellkammer hausen – bis Personen, mit denen er kürzlich in Kontakt stand, reihum bestialisch zugerichtet tot aufgefunden werden. Es scheint, als sei etwas hinter ihm her – eine Kreatur, die parallel zu seiner Intelligenzsteigerung gleichwohl an Kraft gewinnt und immer brutaler zuschlägt. Oder bildet er sich das alles nur ein und ist selbst der Killer? Schließlich gerät er mit Hilfe seiner zunehmenden Gehirnaktivität zu der Erkenntnis bzw Überzeugung, dass es ihm möglich ist, sich mental zwischen zwei Dimensionen zu bewegen – was bei einigen Dämonen „drüben“ Besorgnis auslöst, weshalb sie ihn zu vernichten versuchen, bevor er ihnen zu mächtig wird…

Für mich ist „Headspace“ wie ein Gericht, für das man zwar die richtigen Zutaten besaß, nicht aber das erfahrene Fingerspitzengefühl, diese optimal zu dosieren. Das soll aber keineswegs heißen, dass ich den nur 26 Jahre jungen Filmemacher van den Houten irgendwie als Sündenbock hinstellen möchte, denn jener versteht sein Handwerk anscheinend ziemlich gut und beweist viel Talent, ein homogen wirkendes Ganzes zu erschaffen, welches jedoch mit kleinen Schönheitsfehlern durchsetzt ist, die mehr mit der Konzeption als der Inszenierung zutun haben. Dies lässt sich anschaulich anhand des Einstiegs erkennen, der trotz allem überaus gelungenen ist und klar mit zu den Highlights zählt: Dadurch, dass die Geschehnisse relativ zügig präsentiert werden, steigt die Spannung schlagartig an, was ebenso für die dichte, beunruhigende Atmosphäre gilt – nur hätte ich mir in diesem Fall schlichtweg ein längeres Verweilen gewünscht, um mehr über die Familie zu erfahren. Auf der einen Seite weckt das Gesehene Neugier, denn als Zuschauer weiß man nicht wirklich, was das zu bedeuten hat – andererseits kam es mir leicht überhastet vor, zumal diverse so aufgeworfene Fragen im Verlauf nicht zur völligen Zufriedenheit beantwortet werden. Unabhängig dieses kleinen Mankos wird der Grundton vorzüglich gesetzt – nämlich „creepy“ und „sehr direkt“, hervorgerufen u.a. durch Young´s Gesichtsausdruck sowie den das Intro abschließenden grandiosen Gore-Shot. Zum Glück wird nach dem etwas übereilten Anfang das Tempo in der New Yorker Gegenwart ein wenig zurückgefahren, worauf der unvermittelte Terror einer stetigen, unterschwelligen Bedrohlichkeit weicht. Cinematographer William M.Miller hält die düstere Stimmung mit seiner Beleuchtung und Kameraarbeit gekonnt aufrecht, was eine gefühlte Unsicherheit erzeugt, welche wiederum die aus der ungewissen Entwicklung hervorgehende Anspannung seitens des Betrachters fördert. Unter diesen Gesichtspunkten gibt es an dem Werk nichts auszusetzen – man konnte wahrlich eine Menge aus den nicht gerade üppig zur Verfügung stehenden Gegebenheiten herausholen.

Hauptdarsteller Christopher Denham („Dealbreaker“) macht seine Sache anständig, doch ich konnte mich persönlich einfach nicht in seine Figur hineinversetzen, was sich natürlich wenig förderlich auf meinen Gesamteindruck ausgewirkt hat. Vielleicht liegt es daran, dass es sich bei ihm um einen ziellosen Slacker (inklusive recht ungepflegten längeren Haaren und schwarz lackierten Fingernägeln) handelt, eventuell in Verbindung mit einigen nicht ganz überzeugend vermittelten Dialogzeilen – schwer zu sagen, nur hat es einfach nicht „klick“ gemacht. Die Performance von Erick Kastel („Ghostlight“) gefiel mir hingegen, denn man nimmt ihm die eigentlich souveräne Gestalt, welche im Zuge der Umstände immer mehr in einen zerzaust-verwirrten Zustand verfällt, problemlos ab. Alle bekannten Namen auf dem Cover besitzen bloß Cameos oder bestenfalls kleine Nebenrollen, was sie geringfügig verschenkt wirken lässt, da sie den Film zwar mit ihrer Anwesenheit bereichern, man allerdings unweigerlich mehr Screen-Time mit ihnen herbeisehnt bzw sie gerne besser eingesetzt gesehen hätte. Am meisten habe ich mich über ein Wiedersehen mit Sean Young (“No Way Out“/“Wall Street“) gefreut, die noch immer toll aussieht, aber (wie erwähnt) einen viel zu kurzen Part hat. Dee Wallace Stone (aus dem „the Hills have Eyes“-Original oder „E.T.“) und Olivia Hussey (aus dem „Black Christmas“-Original oder Zeffirelli´s „Romeo & Juliet“) haben minimal mehr Raum zugestanden bekommen, doch eine gemeinsame Szene, nämlich ein Gespräch beim Gang durch den Krankenhausflur, kam mir irritierend hölzern und improvisiert vor. Mark Margolis (“Hannibal“/“Requiem for a Dream“) übertreibt es etwas als ehemaliger KGB-Forscher, William Atherton (“the Crow 3“/“Die Hard 1&2“) spielt den Arzt mit Hintergedanken vorzüglich. Und Udo Kier (“One Po1nt 0“/“Suspiria“) als Priester Karl Hartmann, der Alex eher für einen Drogensüchtigen als einen vor Dämonen Zufluchtsuchenden hält? Ein klassischer Udo-Kurzauftritt…

Die Story ist vielschichtig, relativ originell, entfaltet sich ohne Längen und verzichtet darauf, ausnahmslos alle Fragen am Ende zu beantworten, so dass man im Nachhinein getrost noch etwas zum Nachdenken mit auf den Weg nehmen kann. Das Konzept balanciert die Inhalte klassischer Monster-Geschichten mit denen psychologischer Thriller gekonnt aus – mit einer leichten Tendenz hin zu letzterer Ausrichtung. Während Alex langsam den Verstand zu verlieren scheint, beziehungsweise dieser immer stärkere Wahrnehmungen hervorbringt, erhält man fortlaufend Teile des Puzzles geboten, die sich zu einem gewissen Bild ordnen lassen, auf das eine eigens zu dem Zweck eingeführte Figur zusätzlich hinweist (sprich: man hat sich auf diese Weise etwas einfach aus der Affäre gezogen). Die Art der Kreatur-Präsentation hat man dem sich zuspitzenden Verlauf geschickt angeglichen: Anfangs handelt es sich um ein allenfalls angedeutetes Gefühl, dass da irgendwas in den Schatten lauert, später erhält man kurze Blicke auf eine Silhouette oder Klaue geboten, erst am Schluss das Geschöpf in seiner „vollen Pracht“. Apropos: Der Dämon, verkörpert von einem Mann in einem Kostüm (also keine Sekunde CGI, was übrigens für den gesamten Film gilt), sieht verhältnismäßig cool aus – bis auf die bizarre Gestaltung der Nase, welche mich an die eines Schweins erinnerte und daher konstant ablenkte bzw störte! Keine Ahnung, was man sich dabei gedacht hat. Allgemein kann die Qualität der Make-up-Effekte durch die Bank weg überzeugen, vor allem bei den Gore-Einstellungen, wie Young´s von einer Schrotladung getroffener Schädel oder ein Gesicht, von dem die Haut von einer Pranke abgekratzt wird, nachdem diese aus der Brust des betreffenden Opfers herausplatzt. Solche Momente treten nur an „strategisch wichtigen“ Stellen auf – ansonsten verbleiben sie der überwiegend subtilen Herangehensweise klar untergeordnet.

Obwohl es dem Drehbuch meist gelingt, die üblichen Klischees einer Monster-Geschichte zu umgehen, ist es leider nicht ganz so clever, wie man auf den ersten Blick denken könnte. Etliche Elemente kommen einem bekannt vor, sind zu offensichtlich (wie die Verbindung zwischen Alex und Harry, von der die beiden nur nichts wissen) oder tauchen ungenügend in die potentielle Tiefe der Materie ein. Diverse Dialoge kommen einem geringfügig gestelzt vor, die volle Bandbreite der sich ständig erweiternden mentalen Fähigkeiten wird eher beiläufig erwähnt, nie aber ausschöpfend aufgezeigt, gewisse (Neben-) Handlungsstränge verlaufen früher oder später im Sande bzw werden nicht mehr aufgegriffen, was vor allem auf den Familienhintergrund zutrifft. Darüber hinaus konnte ich keinen Gefallen an der finalen Einstellung finden, da mir die verwendete Form inzwischen arg abgegriffen vorkommt. „Headspace“ bietet Fans eine Reihe Pluspunkte (wie die interessante Story, eine gute Besetzung, gelegentliche Härten oder zwei ziemlich freizügige Sexszenen), die sich jedoch zu keinem vollends überzeugenden Ganzen zusammenfinden.

Es ist nicht zu übersehen, dass dies eine Indie-Produktion mit sehr begrenzten Mitteln ist, in welche die (zweifelsohne kompetenten) Beteiligten viel Mühe investiert haben – und das macht es umso schwieriger für mich, dem Werk letztendlich keine höhere Bewertung zuzusprechen. Es fällt mir verhältnismäßig schwer, eine spezifische Begründung für mein tendenzielles Missgefallen zu formulieren – entschieden kann ich im Grunde nur betonen, dass mich das Sichten weitestgehend kalt gelassen hat … 4 von 10.


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