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Avalanche (1978)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 6 / 10)
eingetragen am 01.08.2017, seitdem 147 Mal gelesen



In der zweiten Hälfte der Siebziger Jahre war schon wieder Schluss mit dem Erfolg der erst kurz zuvor noch Kassenrekorde brechenden Katastrophenfilme, was nicht etwa an weniger Aufwand, weniger Starbesetzung oder weniger Ideen (in zugegebenermaßen schlechterer Umsetzung) lag, sondern an der Veränderung vom Alten zum Neuen Hollywood, und anderen Interessen und Ansprüchen des zuvor begeisterten Publikums. So wurden zwar weiter die Budgets und die gesammelte Prominenz in die Abenteuer wie etwa Meteor, Der tödliche Schwarm oder Der Tag, an dem die Welt unterging mit Sack und Pack gekippt, lösten bei der Zuschauerschaft aber von vornherein wenig Zuspruch aus und wurden schlussendlich auch noch durch die Kritik nicht verschont und etwa langwährender Mundpropaganda noch gerettet. Das gleiche Schicksal erlitt auch Avalanche, der von vornherein allerdings etwas niederer in der Qualität angesiedelt ist und – und das ist das Interessante daran –, in seiner Machart unter dem Produktionssiegel von New World Pictures auch einen etwas anderen Weg geht:

David Shelby [ Rock Hudson ] hat mit seinem in winterlichen Bergen eigens erbauten Urlaubs- und Sportresort, einem Winter Wonderland, so einiges auch gegen den Willen und Einspruch der Naturschützer und Warner wie dem für "National Geographic" tätigen Fotographen und Einsiedler Nick Thorne [ Robert Foster] erreicht. Was er nicht geschafft hat, ist, seine nunmehr geschiedene, wenn auch noch freundschaftlich verbundene und zur Geburtstagsfeier von Davids Mutter Florence Shelby [ Jeanette Nolan ] anreisenden Caroline Brace [ Mia Farrow ] in seiner Nähe zu halten. Auch jetzt werden ihr seine Versöhnungsrufe und -Bedrängungen zu offensiv, so dass sie lieber die Nähe vom ruhigen Naturburschen Nick sucht, und findet. Bald hat David auch andere Sorgen, steht ein verheerender Schneesturm an, der wegen der gefällten Bäume kein gottgegebenes Hindernis mehr hat und ungebremst mitsamt diversen Lawinen auf das vergleichsweise kleine Gebäude voller Gäste, darunter mehrere anwesende Spitzensportler losprescht.

Natürlich hat dies seine bekannten Zutaten, die warnenden Prophezeiungen, die Weigerungen des Verantwortlichen, sich diesem schlechten Omen auch zu stellen und lieber sehenden Auges und dennoch voll Unverstand seinem eigenen Untergang entgegen zu gehen. Die Bedrohung wird leicht gesteigert und kulminiert schließlich in dem Entsetzen, während danach um das Leben gekämpft wird und zuvor um die Liebe und dazwischen dann auch das Drama arrangiert. Schneeflöckchen, Weißröckchen. Was hier dennoch anders ist oder anders wirkt, ist der gleichzeitig banale Ton, der sich trotzdem an ein erwachsenes Publikum richtet und auch an eines, das an Sensationsmacherei wie etwa diverse Bett- und Nacktszenen und nicht nur an den Trickeffekten und der Aktion am Schneehügel interessiert ist. So wird hier gleich mehrmals blankgezogen und der freien Liebe gefrönt, während die Geburtstagsfeier zuvor von der reinen Stimmung her auch kurz vor dem Ausbrechen in eine Sodom & Gomorrha Orgie steht.

Dazwischen tummeln sich dann so ehrenwerte Darsteller wie Hudson und Farrow, die hier ein geschiedenes, noch freundschaftlich verbundenes Paar spielen, wobei Er noch Hoffnung hegt und sich wie der Platzhirsch und mit Besitzanspruch sowieso aufführt, während Sie eigentlich bereits abgeschlossen, den Nächsten schon entdeckt hat und sich dort bei mehr Selbständigkeit und mehr Raum für sich auch wohler fühlt. Diese Konstellation, in der der seinerseits unerwünschte Dritte im Bunde auch noch der mit den schlechten Vorwarnungen und so der Überbringer sowieso miserabler Botschaften ist, ist personell, narrativ und auch dramaturgisch so schlecht gar nicht und wird auch mit Abstand von den solidesten Darstellungen im Bunde absolviert. Regisseur und Co-Autor Corey Allen, der mit seinem Namensvetter Irwin Allen, dem "Master of Disaster" nicht verwandt, sondern selber ein Routinier im Schauspiel und ein (fernseh)erfahrener Filmemacher ist, findet dafür gar geeignete Bilder – die Zimmer wirken unter der Größe und Präsenz von Hudson stets kleiner und tatsächlich beengt und das erste Bild von ihm zeigt ihn auch über den Dingen stehend und auf alle Anderen herabblickend, was kein Zufall ist – , was dem ansonsten stereotypen Szenario durchaus auf die Sprünge und über die Runden hilft.

Der Rest der anwesenden Runde ist irgendwie seltsam egal, mit No Names ausgestattet und allerlei sportliche oder auch emotionale Konkurrenz belegt, was aber nicht interessiert, und je nach Situation und Akzeptanz auch seltsam muffig (im Sinne von angestaubt), und gleichzeitig albern bis campy bis gar erschreckend wirkt (Der Schreikrampf einer betrogenen Mätresse, die anschließend im Dessous und ganz aufgelöst durch den aufkommenden Schneesturm läuft. Und am nächsten Tag noch mal einen Eifersuchtsauftritt hinlegt, der sich gewaschen hat, und mit einem Glas Frühstücksmilch ins Gesicht beantwortet wird, worauf sie dann endgültig die Contenance verliert.) Zudem mag die Produktion für den Ausführenden Finanzier Roger Corman mit 6.5 Mio. USD eine der Teuersten gewesen sein und wird auch sichtlich investiert, bleibt man aber dennoch ein aufwendiges B-Picture, dass teilweise wie mit Kerzenlicht ausgeleuchtet wirkt und mit Unschärfe und Schleier wie beim David Hamilton belegt. So richtig hochwertig ist das Geschehen und das Gebaren in ihm also nicht, atmet aber ständig eine Aura des Unvorhersehbaren und Unvorstellbaren, was es eindeutig von als sicher geltenden Großproduktionen abhebt und zu einer Aufmerksamkeit zwingt, die ungewöhnlich für das Subgenre ist; wenn die meisten Un- und Todesfälle (durch wildgewordene Rettungs- und Polizeimannschaften entweder auf dem Her- oder dem Heinweg) hier erst passieren, wenn man sich im Grunde noch oder schon längst in Sicherheit wiegt.

Kommt die Lawine einmal auf, wird (durch Second Unit Regisseur Lewis Teague vor seinem Durchbruch) wie üblich mit realen Naturaufnahmen, also Schlechtwetterbildern bzw. tatsächlichen Katastrophenaufnahmen, mit ebenso offensichtlichen Trickbildern und mit realen Stunts gewerkelt, wobei letztere vielerlei Extremsportaktionen und ansonsten Stürze durch das Fensterglas, von Höhen herab oder einmal quer durch den Raum sind. Dem Chefkoch und seiner Mannschaft fällt buchstäblich die Decke auf den Kopf, während draußen in der wild gewordenen Natur etwas tobt, dass wie ein großer zerfallener weißer Krümelkuchen aussieht und die Styropormassen die bis dato ahnungslose Meute von den Beinen fegt oder erschlägt.


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