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New York Ripper, Der (1982)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 7 / 10)
eingetragen am 19.06.2005, seitdem 676 Mal gelesen



In New York treibt seit Wochen ein wahnsinniger Mörder sein Unwesen. Lieutenant Fred Williams (Jack Hedley), der mit dem brisanten Fall betraute Kommissar, tappt völlig im Dunkeln was das Motiv und die Identität des Täters betrifft; das einzig Bekannte ist, dass der Mörder mit einer Donald-Duck-Stimme spricht. Da Williams mit den Ermittlungen nicht weiter kommt, bittet er den Psychologen Dr. Paul Davis (Paolo Malco) ein Täterprofil zu erstellen. Davis meint, dass es sich bei dem Täter um einen sehr intelligenten Menschen handeln müsse, der seine Taten akribisch im Vorraus plant. Bald bekommt Williams erste konkrete Hinweise : Fay Majors (Antonella Interlenghi), die Freundin des jungen Physikers Peter Bunch (Andrea Occhipinti), wird ebenfalls Opfer des Mörders, überlebt den Anschlag aber mit einer Beinverletzung. Sie gibt zu Protokoll, dass dem Täter zwei Finger der rechten Hand fehlen...

Bekanntlich sind die Filme der Splatterlegende Lucio Fulci sehr blutig, aber die meisten seiner Filme enthalten eine Szene, in der sich der Grossmeister tricktechnisch besonders ins Zeug gelegt hat und die dann besonders blutig ausfällt : bei "Ein Zombie hing am Glockenseil" ist es der berühmte Bohrmaschinen-Mord, bei "Woodoo - Schreckensinsel der Zombies" das Aufspiessen des Auges am Holzstumpf, bei "Syndikat des Grauens" die Folterung mit dem Bunsenbrenner und bei "Geisterstatt der Zombies" der Angriff der Vogelspinnen. Auch "Der New York Ripper" macht da keine Ausnahme : der Film ist bekannt geworden durch den legendären Rasierklingen-Mord. Damit ist die letzte Bluttat gemeint, die auf das Konto des Rippers geht : mit einer Rasierklinge tötet er genüsslich eine Prostituierte. Dabei hat Fulci keine Skrupel zu zeigen, wie die Rasierklinge die Brustwarze der Prostituierten spaltet und sich auch ihren Weg durch den Augapfel des geöffneten Auges des bemitleidenswerten Opfers bahnt. Der Rest der Splatterszenen besteht überwiegend aus Erstechungen, sei es mit einem Messer oder auch mal mit einer abgebrochenen Flasche. Natürlich erfolgte (und das nicht ganz zu unrecht !) - wie bei vielen anderen Fulci -Filmen - die bundesweite Beschlagnahmung, bei "New York Ripper" fand sie am 6.4.1988 statt.

Inhaltlich bewegt sich der Film auf typischem Slasher-Niveau, zeigt aber auch Fulci's manchmal merkwürdiges Gesellschaftsbild. Er stellt New York als absolutes Sündenbabel dar : an jeder Ecke gibt es den schnellen Sex, die handelnden Personen haben teilweise abnorme sexuelle Vorlieben (z.B. Dr. Lodge, dem nur das Anhören von Tonbändern mit Sexgestöhne Erregung verschafft oder dessen Frau Jane, die mit wildfremden Männern ins Bett steigt oder sich in einem schmierigen Billardsaloon von einem genauso schmierigen Typen mit den Fusszehen befriedigen lässt) und selbst der ermittelnde Beamte Williams schläft mit der Prostituierten Kitty. Dementsprechend sieht man in dem Film nackte Menschen am laufenden Band.

Wie es sich für einen Slasher gehört, hat der Film einige Logikfehler, wobei einige gravierend (wie kann man z.B. aus der Blutprobe des Täters darauf schliessen, dass dieser männlich, mittleren Alters und in New York ansässig ist ?) und andere eher unwichtig sind. Was die Täterauflösung angeht, so kristallisiert sich zu schnell heraus, wer der Mörder ist. Zwar verzichtet Fulci darauf, die üblichen Motive wie "Ich-bin-in-meiner-Kindheit-misshandelt-worden-also-töte-ich" oder "Ich-bin-schon-ewig-in-dich -verliebt-und-wenn-ich-dich-nicht-haben-kann-soll-dich-keiner-haben" zum x-ten mal durchzukauen, sehr viel überzeugender ist aber auch das tatsächliche Motiv des Mörders nicht. Erwähnenswert ist noch eine kurze Traumsequenz in der Mitte des Filmes : sie wirkt auf den ersten Blick etwas deplaziert (oder zumindest merkwürdig), ist aber für den weiteren Verlauf der Handlung nicht unwichtig.

Noch kurz ein Wort zur Kameraarbeit : dieser Film zeigt Fulci's ausgeprägte Liebe zu extremen Nahaufnahmen. Ganz nah zoomt die Kamera an die handelnden Personen heran, und zwar sowohl bei den Splatterszenen als auch bei Dialogsequenzen; bei letzteren sieht man in vielen Passagen sekundenlang nur die Mund- oder Augenpartie der Akteure.

Fazit : zwar ist "New York Ripper" keiner der Filme, die den Zuschauer zu Begeisterungsstürmen zu versetzten vermögen, bietet aber Slasher-Freunden 90 Minuten sehr solide Unterhaltung. Ich jedensfalls finde, dass man auch den Fulci-Filmen, in denen keine Zombies vorkommen, wie diesem Werk oder "Syndikat des Grauens" eine Chance geben sollte.


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