Ansicht eines Reviews

New York Ripper, Der (1982)

Eine Kritik von
eingetragen am 12.07.2009, seitdem 615 Mal gelesen



Die Kritik beruht auf der ungeschnittenen DVD-Fassung von XT-Video!

Zu Beginn der 80er Jahre hatte das Subgenre des Slashers seine Hochkonjunktur. Diese Tatsache rief selbstverst√§ndlich auch italienische Regisseure auf den Plan. Dario Argento inszenierte 1982 seinen Film 'Tenebre', w√§hrend Lucio Fulci im gleichen Jahr, mit 'Lo Squartatore di New York', seinen Anteil an der Slasher-Welle beisteuerte. Der Film, der in Deutschland und √Ėsterreich unter dem reisserischen Titel 'Der New York Ripper' vermarktet wurde, geh√∂rt zu den brutalsten Werken des im Jahre 1996 verstorbenen Regisseurs.

Ein Spazierg√§nger findet in New York, am Ufer des Hudson Bay, die grausam zugerichtete Leiche einer jungen Frau. Doch in der Metropole von New York geh√∂ren Morde, Pl√ľnderungen und Vergewaltigungen zum Alltag der Polizei - so dass dem Fund des schon halb verwesten K√∂rpers zun√§chst keine besondere Beachtung geschenkt wird.

Doch nur kurze Zeit sp√§ter geschieht ein zweiter Mord: Wieder ist das Opfer eine junge Frau - der M√∂rder √∂ffnet ihre Bauchh√∂hle mit einem Klappmesser und sticht ihr mehrere Male mit unvorstellbarer Brutalt√§t in den Magen, in den Hals und in die Oberschenkel. F√ľr die Presse sind diese Taten ein gefundenes Fressen - und die Polizei ist nun dazu gezwungen, ihre Jagd auf den T√§ter zu forcieren...

Die Parallelen zu Argentos Giallo liegen genauso auf der Hand wie die daraus resultierenden Unterschiede, denn während Argento mit "Tenebre" wieder einmal ein inszenatorisches Meisterwerk mit unzähligen Raffinessen und fulminanten Tötungsszenarien geschaffen hat, scheint Fulci mit seinem "Der New York Ripper" einen billig und schnell abgekurbeltes Schundprodukt abgelegt zu haben, das auf geschmacklose Weise exploitativen Sex mit sadistischer Gewalt kombiniert, wobei beide Stilmittel lediglich auf den Effekt ausgerichtet sind.

Da Argentos Meisterwerk "Tenebre" von mir bereits anerkennend gelobt wurde, widme ich mich im folgenden ausschlie√ülich Fulcis Machwerk, das abgesehen von seinen sp√§teren Inszenierungen Ende der 80er Jahren, zu seinen schw√§chsten Filmen innerhalb seiner Hochzeit zwischen "Woodoo - Schreckensinsel der Zombies" und "Das Haus an der Friedhofmauer" angesehen werden kann und nur noch von seinem einfallslosen und spannungsarmen "Der Frauenm√∂rder mit der Hutnadel" √ľbertroffen wird.

Fulcis "Ripper" f√§ngt nach der oben beschriebenen Eingangssequenz vielversprechend mit dem augenzwinkernden Verh√∂r einer schrulligen √§lteren Dame an, verspr√ľht mit seinem fetzigen Score reichlich Italo-Charme und Atmosph√§re und begeistert gleich mit dem n√§chsten Mord, der eindrucksvoll auf der Staten Island Ferry inszeniert wurde.

Schwerwiegende Logikbr√ľche und Regiefehler machen sich gleich zu Beginn bemerkbar und dauern bis zum Finale an:
Das zweite Mordopfer, das auf der F√§hre vom Killer praktisch zerst√ľckelt wird, sieht bei der Autopsie auf dem Seziertisch einwandfrei aus; der Gerichtsmediziner hat Kenntnisse √ľber die Opfer, die er unm√∂glich aus seinen Untersuchungsergebnissen ziehen kann und erstellt Analysen eines Profilers; die Kenntnisse des Killers √ľber das Privatleben des Inspectors werden ebenso wenig erl√§utert wie die Beziehung zwischen dem T√§ter und einem Komplizen; und woher weiss der Ermittler von den diskret behandelten Ehebr√ľchen eines weiteren Mordopfers?

Diese Kleinigkeiten w√ľrden nicht einmal besonders ins Gewicht fallen, wenn "Der New York Ripper" zumindest spannend w√§re - doch au√üer aneinander gereihter Szenenabfolgen, die aus bestialischen Morden, tiefen Einblicken in das Rotlichtviertel und billigen, ordin√§ren Sexszenen bestehen, hat Lucio Fulcis Film nicht viel zu bieten.
Die halbwegs unterhaltsame Jagd nach dem Killer verliert bereits ab der zweiten H√§lfte an Potential, da die dargestellte Gewalt den Zuschauer bereits bei den ersten Morden abgestumpft hat und die Erotik nur noch absto√üend ist. Somit verfehlen die zum Selbstzweck eingesetzten Stilmittel schnell ihre Wirkung und nur eingefleischte Gorehounds und Voyeure k√∂nnen sich befriedigt zur√ľcklehnen, alle anderen werden von grausamer Langeweile gepeinigt.

Trotz einer Menge offensichtlich falscher Fährten und einer lange vor dem Finale alles auflösenden Traumsequenz ist die Frage nach dem Täter auch schnell beantwortet. Lediglich das Motiv bleibt bis zum Ende im Dunkeln. Es ist relativ nachvollziehbar, aber kaum raffiniert und in zwei, drei Sätzen abgehandelt.

Gegen Ende machen sich dann auch wieder einige Logikfehler bemerkbar und die zeitliche Abfolge der Handlung ist mehr als verwirrend.

Dass f√ľr diese haneb√ľchene Handlung vier Drehbuchautoren notwendig waren, ist kaum zu glauben. Lucio Fulcis durchaus vorhandenes Talent, Atmosph√§re und Stimmung zu schaffen, ist bei dieser lustlosen Inszenierung nicht im Ansatz zu erkennen. Dass er auch in der Lage ist, au√üerhalb des Horrorbereichs anst√§ndige Filme zu produzieren, hat er mit seinem zwei Jahre zuvor entstandenen Mafiakrimi "Das Syndikat des Grauens" eindrucksvoll bewiesen.

"Der New York Ripper" ist nichts weiter als ein frauenverachtendes Machwerk √ľbelster Sorte mit m√§√üigen Splattereffekten und ausschlie√ülich f√ľr Komplettisten zu empfehlen. Wer einen spannenden Giallo erwartet sollte vorbehaltlos zum anfangs genannten "Tenebre" von Dario Argento greifen.

5 von 10 Punkte!


Surprise me!
"Surprise me!" BETA
Lassen Sie sich überraschen! Wir führen Sie zu einem zufälligen Treffer zu einem Thema Ihrer Wahl... Wollen Sie eine andere Kritik von "Trashstore75" lesen? Oder ein anderes Review zu "New York Ripper, Der (1982)"?


Zur Übersichtsseite des Films
Liste aller lokalen Reviews von Trashstore75

Zurück


Copyright © 1999-2018 OFDb.de - Die Online-Filmdatenbank
Alle Rechte vorbehalten.
Nutzungsbedingungen · Werben · Impressum
Hosted by Net-Build



Quicksearch






User-Center

Benutzername: 
Paßwort:
Login nur für diese Sitzung:

·

481 Besucher online


SSL  SSL-gesicherte
Verbindung aktiv


Abonnement


Abonnement - Bitte erst anmelden
Melden Sie sich bitte an, um Abonnements vornehmen zu können



Neue Reviews


Schlacht um Midway (1976)
Wizard of Lies, The (2017)
Boone - Der Kopfgeldjäger (2017)
Shape of Water, The (2017)
Endless, The (2017)



News


Unser News-Bereich wurde überarbeitet und wird in Kürze weiter ausgebaut werden, damit Sie stets aktuell über alle Neuigkeiten rund um die Welt des Films informiert sind.

» Zum neuen News-Bereich