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New York Ripper, Der (1982)

Eine Kritik von
eingetragen am 12.07.2009, seitdem 622 Mal gelesen



Die Kritik beruht auf der ungeschnittenen DVD-Fassung von XT-Video!

Zu Beginn der 80er Jahre hatte das Subgenre des Slashers seine Hochkonjunktur. Diese Tatsache rief selbstverstĂ€ndlich auch italienische Regisseure auf den Plan. Dario Argento inszenierte 1982 seinen Film 'Tenebre', wĂ€hrend Lucio Fulci im gleichen Jahr, mit 'Lo Squartatore di New York', seinen Anteil an der Slasher-Welle beisteuerte. Der Film, der in Deutschland und Österreich unter dem reisserischen Titel 'Der New York Ripper' vermarktet wurde, gehört zu den brutalsten Werken des im Jahre 1996 verstorbenen Regisseurs.

Ein SpaziergĂ€nger findet in New York, am Ufer des Hudson Bay, die grausam zugerichtete Leiche einer jungen Frau. Doch in der Metropole von New York gehören Morde, PlĂŒnderungen und Vergewaltigungen zum Alltag der Polizei - so dass dem Fund des schon halb verwesten Körpers zunĂ€chst keine besondere Beachtung geschenkt wird.

Doch nur kurze Zeit spĂ€ter geschieht ein zweiter Mord: Wieder ist das Opfer eine junge Frau - der Mörder öffnet ihre Bauchhöhle mit einem Klappmesser und sticht ihr mehrere Male mit unvorstellbarer BrutaltĂ€t in den Magen, in den Hals und in die Oberschenkel. FĂŒr die Presse sind diese Taten ein gefundenes Fressen - und die Polizei ist nun dazu gezwungen, ihre Jagd auf den TĂ€ter zu forcieren...

Die Parallelen zu Argentos Giallo liegen genauso auf der Hand wie die daraus resultierenden Unterschiede, denn wÀhrend Argento mit "Tenebre" wieder einmal ein inszenatorisches Meisterwerk mit unzÀhligen Raffinessen und fulminanten Tötungsszenarien geschaffen hat, scheint Fulci mit seinem "Der New York Ripper" einen billig und schnell abgekurbeltes Schundprodukt abgelegt zu haben, das auf geschmacklose Weise exploitativen Sex mit sadistischer Gewalt kombiniert, wobei beide Stilmittel lediglich auf den Effekt ausgerichtet sind.

Da Argentos Meisterwerk "Tenebre" von mir bereits anerkennend gelobt wurde, widme ich mich im folgenden ausschließlich Fulcis Machwerk, das abgesehen von seinen spĂ€teren Inszenierungen Ende der 80er Jahren, zu seinen schwĂ€chsten Filmen innerhalb seiner Hochzeit zwischen "Woodoo - Schreckensinsel der Zombies" und "Das Haus an der Friedhofmauer" angesehen werden kann und nur noch von seinem einfallslosen und spannungsarmen "Der Frauenmörder mit der Hutnadel" ĂŒbertroffen wird.

Fulcis "Ripper" fĂ€ngt nach der oben beschriebenen Eingangssequenz vielversprechend mit dem augenzwinkernden Verhör einer schrulligen Ă€lteren Dame an, versprĂŒht mit seinem fetzigen Score reichlich Italo-Charme und AtmosphĂ€re und begeistert gleich mit dem nĂ€chsten Mord, der eindrucksvoll auf der Staten Island Ferry inszeniert wurde.

Schwerwiegende LogikbrĂŒche und Regiefehler machen sich gleich zu Beginn bemerkbar und dauern bis zum Finale an:
Das zweite Mordopfer, das auf der FĂ€hre vom Killer praktisch zerstĂŒckelt wird, sieht bei der Autopsie auf dem Seziertisch einwandfrei aus; der Gerichtsmediziner hat Kenntnisse ĂŒber die Opfer, die er unmöglich aus seinen Untersuchungsergebnissen ziehen kann und erstellt Analysen eines Profilers; die Kenntnisse des Killers ĂŒber das Privatleben des Inspectors werden ebenso wenig erlĂ€utert wie die Beziehung zwischen dem TĂ€ter und einem Komplizen; und woher weiss der Ermittler von den diskret behandelten EhebrĂŒchen eines weiteren Mordopfers?

Diese Kleinigkeiten wĂŒrden nicht einmal besonders ins Gewicht fallen, wenn "Der New York Ripper" zumindest spannend wĂ€re - doch außer aneinander gereihter Szenenabfolgen, die aus bestialischen Morden, tiefen Einblicken in das Rotlichtviertel und billigen, ordinĂ€ren Sexszenen bestehen, hat Lucio Fulcis Film nicht viel zu bieten.
Die halbwegs unterhaltsame Jagd nach dem Killer verliert bereits ab der zweiten HĂ€lfte an Potential, da die dargestellte Gewalt den Zuschauer bereits bei den ersten Morden abgestumpft hat und die Erotik nur noch abstoßend ist. Somit verfehlen die zum Selbstzweck eingesetzten Stilmittel schnell ihre Wirkung und nur eingefleischte Gorehounds und Voyeure können sich befriedigt zurĂŒcklehnen, alle anderen werden von grausamer Langeweile gepeinigt.

Trotz einer Menge offensichtlich falscher FÀhrten und einer lange vor dem Finale alles auflösenden Traumsequenz ist die Frage nach dem TÀter auch schnell beantwortet. Lediglich das Motiv bleibt bis zum Ende im Dunkeln. Es ist relativ nachvollziehbar, aber kaum raffiniert und in zwei, drei SÀtzen abgehandelt.

Gegen Ende machen sich dann auch wieder einige Logikfehler bemerkbar und die zeitliche Abfolge der Handlung ist mehr als verwirrend.

Dass fĂŒr diese hanebĂŒchene Handlung vier Drehbuchautoren notwendig waren, ist kaum zu glauben. Lucio Fulcis durchaus vorhandenes Talent, AtmosphĂ€re und Stimmung zu schaffen, ist bei dieser lustlosen Inszenierung nicht im Ansatz zu erkennen. Dass er auch in der Lage ist, außerhalb des Horrorbereichs anstĂ€ndige Filme zu produzieren, hat er mit seinem zwei Jahre zuvor entstandenen Mafiakrimi "Das Syndikat des Grauens" eindrucksvoll bewiesen.

"Der New York Ripper" ist nichts weiter als ein frauenverachtendes Machwerk ĂŒbelster Sorte mit mĂ€ĂŸigen Splattereffekten und ausschließlich fĂŒr Komplettisten zu empfehlen. Wer einen spannenden Giallo erwartet sollte vorbehaltlos zum anfangs genannten "Tenebre" von Dario Argento greifen.

5 von 10 Punkte!


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