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Hafenkneipe von Tahiti, Die (1963)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 4 / 10)
eingetragen am 13.02.2018, seitdem 53 Mal gelesen



Kennen Sie auch John Ford, den Großmeister der turbulenten Actionkomödie?
Nicht?
Dann ist es wohl ganz gut, dass der Mann sich einen unsterblichen Namen mit Western und Kriegsfilmen gemacht hat, für die er auch freigiebig und hochverdient mehrfach ausgezeichnet wurde.
Und es ist sicher auch ganz gut, dass er nur wenige Filme wie „Donovan’s Reef“ gedreht hat, einem gewollt locker-leichten Spaß, den die deutsche Titelschmiede mit „Die Hafenkneipe von Tahiti“ auch noch zu einem semi-anrüchigen Bums hat mutieren lassen.

Ich würde nie behaupten, ein erzreaktionärer Stiernacken wie John Wayne wäre irgendwann in seiner langsam auslaufenden Karriere mit zunehmendem Alter milder geworden, aber in den 60ern hat er häufiger eine gewisse Leichtigkeit in seine Rollen einfließen lassen oder bemüht auf Drama gesetzt – Letzteres vielleicht auch in Hinsicht auf Anerkennung als ernsthafter Darsteller, was ihm ja schließlich auch gelang.
Mit seinen „leichten“ Rollen hatte er es nicht ganz so einfach und die typische Komödie der 60er Jahre, wie sie charmante, leichtfüßige Darsteller wie Rock Hudson oder Doris Day mit angerauter Plüschigkeit und nur mildem sexuellen Innuendo lieferten, lag ihm als Figur nun gar nicht.

So wirkt Wayne in „Donovan’s Reef“ auch meistens total neben der Spur, wie das gesamte Drehbuch wohl ein mühsam zusammen gestoppelter Ideenhaufen war, der aber ohne eine wichtige Zutat auskommen musste: einen zündenen Funken.

Alles soll drin sein, in diesem optischen Fest: die Schönheit von Polynesien (gedoubelt durch Hawaii), ruppige und lustige Haudegen, schräge Figuren, eine Handvoll Kinder, ein disneyeskes Familienproblem, eine Liebesgeschichte, eine Portion Feelgood-Lebensgefühl und einige Memorabilia aus dem 2.Weltkrieg.
Das alles hat man dann auch untergebracht, aber wie man sich vorstellen kann, wird daraus kein glatter Teig.

Der Film beginnt mit ruppigem Männerhumor, der Wiederkehr Lee Marvins auf die polynesische Insel, wo er wie alljährlich seinen Geburtstag in direkter Konkurrenz zu Wayne in dessen Kneipe („Donovan’s Reef“) feiern will. Wie jedes Jahr kloppen sich die Geburtstagskinder, sehr zur Enttäuschung des Priester, des versoffenen Polizisten und des Arztes, dem Jack Warden wenigstens einen Hauch von Schauspielerei verschafft.
Nach allerlei bemühtem Slapstick schleicht sich nach einer halben Stunde dann so etwas wie ein Plot in den Film, denn der Doc ist eigentlich Eigner und Erbe einer Schifffahrtslinie, war aber 20 Jahre nicht mehr in Boston und hat sein Töchterlein nie gesehen. Schlimmer noch, er hat drei uneheliche Mischlingskinder mit einer Inselprinzessin gezeugt, bis die Holde leider im Kindbett dahin schied. Nun ist Töchterlein Amelia in die Position, die Firma zu übernehmen, falls sich Daddy nicht einwandfrei moralisch verhalten hat – und reist auf die Insel, woraufhin man auf den aberwitzigen und vollkommen unterrepräsentierten Plan verfällt, Donovan (Wayne) als Vater der Kinder auszugeben.

Danach wird es dann ein wenig kurios, denn kaum ist Amelia (die bemüht exzentrisch eingeführt wird) unterwegs und im Anflug auf die Insel, muss sich Wayne wie ein Bulldozer gebärden, wirft sie mehrfach ins Wasser, zerrt sie an Land, staubt sie in seinem Jeep ein und schießt sie wie eine Flipperkugel über die Insel. Später darf er dann – total überraschend – offenbaren, dass er nicht nur intelligent und gebildet, sondern auch ein erfolgreicher Geschäftsmann (und Reeder) ist. Gleichzeitig darf sie damit überzeugen, dass sie trinken, rauchen und eine gute Figur in einem Badeanzug machen kann. Und Kinder mag sie auch.

Während also diese wenig überzeugende – und total spannungs- und krisenfreie - Beinahe-Scharade abläuft, die schon früh zum Schrecken des Zuschauers darauf hinlaufen soll, dass Elizabeth Allen sich offenbar in den deutlich mehr als 20 Jahre älteren Mann verlieben wird, geht es nebenbei noch um eine Multikulti-Weihnachtsfeier, die Reperatur eines Kirchendachs, eine Familienzusammenführung, ein vergangenes Kriegs- und Nachkriegsdrama, die Sorgen der ältesten Tochter, die Ehenöte einer schrecklich unterbeschäftigten Dorothy Lamour als Tingeltangel-Sängerin und den Eskapaden eines komplett am Irrsinn entlang dilettierenden Lee Marvin, der praktisch in keiner Szene ohne Flasche zu sehen ist.

Der bemüht eingewebte Humor dreht sich u.a. um einen einarmigen Banditen, den alle unverständlicherweise für eine Music-Box halten, diverse latent absurde japanische Touristne und eine Kneipenschlägerei mit Marinesoldaten (übrigens die am schlechtesten choreographierte Klopperei, die ich kenne). Die Tragik der Hintergrundgeschichte wird ohne Finesse und Tiefe transportiert, die Scharade am Ende aufgelöst, ohne dass es größe Folgen gibt und überhaupt mangelt es dem Geschehen an einem zentralen Konflikt, vielmehr wird reichlich Landschaft und Folklore abfotografiert.
Wenn auf dem Nicht-Höhepunkt des Films – einer Prinzessinnenzeremonie für die älteste Tochter – sich alles für Allens Figur zusammen fügt, hat man schon fast vergessen, dass es in dem Film um dieses Täuschungsmanöver ging. Und als romantischer Schlusspunkt diskutieren Allen und Wayne dann ihre künftigen Kinder, dann versohlt er ihr den Arsch und schlabbert sie schließlich ab, gottseidank ist der Film dann zuende.

An den Kassen war dieser „Hodgepodge“ allerdings immer noch passabel erfolgreich; Wayne war noch immer meistens ein Kassenmagnet und die Bilder des Films sind verführerisch (wenn auch viele Sequenzen deutlich Studioware sind) – gemeinsam haben Wayne und Ford danach aber nie wieder gedreht.

Denkwürdig ist das Ergebnis jedoch nicht geworden, ein gemächlich dahin holpernder Film, die nichts richtig ist, weder Abenteuer noch Komödie noch Drama. Auch Familienunterhaltung kommt nicht ganz hin, aber immerhin nehmen alle Beteiligten das Geschehen ziemlich locker. Am Ende endet es wie stets in Paaren und später hat niemand mehr gefragt, ob der Mix wirklich gelungen ist, denn für alle blieb nur der Dreh-Urlaub auf Hawaii in Erinnerung und wirklich böse kann man Fords Werk auch nicht sein.
Ich kann aber leider nicht den geringsten Vorwand finden, dieses Werk irgendwann noch einmal zu sehen.(4/10)


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