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Inside Man (2006)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 5 / 10)
eingetragen am 26.03.2006, seitdem 1371 Mal gelesen



Mit seinem neuesten Werk „Inside Man“ präsentiert sich Regisseur Spike Lee deutlich mainstreamiger als man es sonst von ihm gewohnt ist.
Dalton Russell (Clive Owen) ist Bankräuber, einer der besten seines Faches. Sein neuester Coup ist, wie er selbst sagt, der perfekte Bankraub. Als Maler getarnt stürmen er und seine Crew die Bank, schalten die Kameras via Infrarot aus und nehmen die Anwesenden als Geiseln. Die Türen werden verschlossen, den Geiseln Einheitskleidung angelegt. Nach diesem flotten Einstieg bewegt sich „Inside Man“ irgendwo zwischen Capermovie und Geiselthriller Marke „Verhandlungssache“, doch das Zuschauerinteresse ist bereits geweckt.
Zum Tatort beordert man Keith Frazier (Denzel Washington) von der New Yorker Polizei, der gemeinsam mit dem Einsatzleiter John Darius (Willem Dafoe) die Situation auslotet. Doch was haben die Räuber vor? Und was sucht Madaline White (Jodie Foster), die geheimnisvolle Vermittlerin des Bankdirektors Arthur Case (Christopher Plummer) am Tatort?

Daraus hätte man jetzt einen wirklich spannenden Film stricken können, doch „Inside Man“ bietet quasi null Überraschungen. Schon Daltons Anfangsmonolog erklärt in Verbindung mit ein paar Aufnahmen der Arbeit der Bankräuber im Materiallager, wie sein Fluchtplan aussieht und auch sonst beinhaltet der Plan der Räuber wenige Finten. Sowohl Frazier als auch dem Zuschauer ist klar, dass alle Verhandlungen von wegen Fluchtflugzeug nur Ablenkung sind, doch trotzdem suhlt sich „Inside Man“ geradezu in den Verhandlungen, von denen echt jeder weiß, dass sie nur nicht ernst gemeint sind. Einzig und allein die Enthüllung über eine bestimmte Schublade überrascht noch.
Die Figur des Dalton ist zudem so grässlich unterentwickelt, dass es fast schon ärgert: Er ist der beste in seinem Job, mehr erfährt nicht über ihn. Noch nicht mal eine richtige Motivation fährt das Drehbuch auf: Mal behauptet er, er würde es für Reichtum tun, dann aber zeigt er doch sehr moralische Züge. Zudem wird er schon nach wenigen Minuten zum Sympathieträger, der Gewalt nur im Notfall anwendet, also zaubert das Script bald noch einen weiteren Unsympathen aus der Klischeekiste, der noch den Bilderbuchkollaborateur der Nazis zur Zeit des Zweiten Weltkrieges abgeben muss. Bleibt aber der einzige, Gangster und auch die kaltschnäuzige Madaline werden als nett dargestellt.
Besonders ärgerlich sind jedoch die letzten 15 Minuten des viel zu langen Films, denn anscheinend hält Spike Lee seine Zuschauer für blöd: *SPOILER* An sich ist nach der Szene, in der Dalton die Bank verlässt und Frazier das Schließfach öffnen lässt, bereits alles klar, doch Lee zeigt noch zig Szenen, die sich jeder Zuschauer einfach dazu hätte denken können, wäre der Film dann zu Ende. Auch die Tatsache, dass „Inside Man“ dem Zuschauer gleich dreimal schildern muss, was da genau in dem Schließfach rumliegt, zeugt nicht gerade vom Vertrauen des Regisseurs in sein Publikum. *SPOILER ENDE*

Doch ganz vor die Wand gefahren ist „Inside Man“ dann nicht, was vor allem an der guten Besetzung liegt. Clive Owen zieht hier wahnsinnig vom Leder und holt aus seiner vom Drehbuch nur grob umrissenen Rolle noch das Beste raus, Denzel Washington kommt sogar noch besser weg und spielt hier mit ähnlich viel Elan wie in „Training Day“. Willem Dafoe ist toll, Jodie Foster hingegen hat mit ihrer Figur zu kämpfen, die leider nur bessere Stichwortgeberin ist. Ebenfalls total unterfordert: Christopher Plummer.
So sind es dann die teilweise recht pointierten Dialoge und gelungene Einzelmomente, die „Inside Man“ noch haarscharf in den Durchschnittsbereich retten: Daltons Gespräch mit einem Jungen über gewalttätige Videospiele, diverse Wortgefechte zwischen Frazier und Dalton oder Fraziers Kommentar als er merkt, dass die Bankräuber sie an der Nase herumführen. Frazier: „Das letzte Mal, als ich so am Schwanz gepackt wurde, hat mich das fünf Dollar gekostet.“ – Darius: „Fünf Dollar?“ – Frazier: „Tijhuana… fragen sie nicht.“ Auch kleine bissige Kommentare zur US-Gesellschaft (z.B. wenn die Polizisten in einer turbantragenden Geisel direkt einen Terroristen sehen) zeugen von Intelligenz und sind deutlich unterhaltsamer als der Rest vom Film.

So verdankt „Inside Man“ an sich nur der Besetzung, den Dialogen und gelungenen Einzelmomente die Rettung ins Mittelmaß, denn der Hauptplot ist vorhersehbar, wendungsarm und nicht besonders raffiniert.


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