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Inside Man (2006)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 6 / 10)
eingetragen am 04.04.2006, seitdem 1504 Mal gelesen



Spike Lee bürgt für Qualität – gute Schauspielerführung, realitätsnahes Ambiente, aktuelle Themen, Inhalte gemischt mit Unterhaltung, Drama-Kino wie es sein soll.
Nun also ein Kopfsprung in den Mainstream – ein Krimi, Bankraub, Geiselnahme, viele Stars – der Meister versucht sich an purer Unterhaltung. Wird er Erfolg haben?

Die irgendwie traurige Gewissheit: nur teilweise.
„Inside Man“ lockt mit einem temporeichen Trailer und großen Stars. Denzel Washington ist ja schon Hausakteur in Lees Joints, Jodie Foster gibt sich die seltene Ehre, Clive Owen erweitert seinen Bekanntheitsgrad, dazu Willem Dafoe, dazu Chiwetel Eijofor, das klingt nach mehr.
Auch die Storyline hat so ihre wärmsten Versprechungen: ein souveräner, überlegener Bankräuber (Owen) samt Team besetzt eine Bank und nimmt dreißig Leute als Geiseln. Für den wegen einer verschwundenen Geldsumme aus einem anderen Fall in Bedrängnis geratenen Polizisten (Washington) ein gefundenes Fressen und der Weg zur Beförderung?
Gleichzeitig hat der Besitzer der Bank (Christopher Plummer) jedoch etwas in einem Schließfach zu verbergen und engagiert eine Spezialistin (Foster), die sich über höchste Kreise einmischt…

Zu Beginn drückt Lee auf die Tube, kreiert die Ausgangsposition im Minutentakt und führt die Figuren ein. Dann überlässt er seinen Schauspielern und ihrem Charisma das Feld und die erledigen den Rest.
Und da beginnen die Schwierigkeiten, denn das Drehbuch kann dem verwöhnten Filmfan dann doch nur mittelprächtige Ware liefern, einen Plot, der auf Teufel komm raus den Zuschauer überraschen soll, aber keine echten Wendungen im Gepäck hat.
Zwar steckt tatsächlich mehr hinter dem Bankraub als es den Anschein hat und die Verbrecher erweisen sich wirklich als gewieft, aber der denkende Mensch kann schon nach halber Laufzeit, wenn erbeim Einführungsmonolog aufgepasst hat, drauf kommen, worauf alles hinaus läuft.

Das wäre nicht so schlimm, wenn Lee sich der Spannungsdramaturgie des Thrillers gewachsen fühlen würde, doch da ist er leider nur Mittelmaß. Immer wieder brechen Zeitsprünge in die Zukunft den Takt der Geiselnahme, ist Lee zu sehr in seine Bilder verliebt, lässt den Score dominieren, baut ewig lange Kameraschwenks ein und setzt auf reichlich menschliche Extras, um die Charaktere weiter zu vertiefen und auszuleuchten.

Nur braucht man das für einen Spannungsfilm nur insoweit, wie es für die Handlung nötig ist, hier ist zuviel unnützes Beiwerk im Spiel. Washington wirkt selbstverliebt, Foster zickig, Plummer salbadert und Owens sonores Organ rettet nur allzu selten die Szene. Im übrigen kommt hier niemand wirklich sympathisch rüber, Washington wirkt in den Verhören seltsam abstrakt, sonst eher karrieregeil, Owen bricht seinen eigentlich gewaltfreien Coup drehbuchgemäß mit ein paar Prügeleinlagen. Der Rest ist Beiwerk.

Einen schweißtreibenden Suspenser jedoch dreht man anders, weniger Tiefe, mehr Oberflächenreize. Die gibt es auch, aber nur selten, dazwischen tun sich leere Untiefen auf. Und immer wieder wird das Tempo rausgenommen.

Dazu kommt, dass die Namen nicht halten können, was sie versprechen. Eijofors Rolle ist Makulatur, Dafoe wird in einer kaum einwickelten Rolle als SWAT-Leader verheizt und Jodie Fosters glanzvolle Nebenrolle beschränkt sich auf ein maximal 15minütiges Cameo insgesamt.

Und überdies enden solche Filme mit einem Bang – „Inside Man“ positioniert seinen absehbaren Twist zwar auch im letzten Viertel, hängt dann aber noch einige abrundende Szenen rund um die Hauptfiguren an und verlängert den Film damit noch mal um über 10 Minuten, so dass Lees Film zunehmend verflacht.

Insgesamt bietet „Inside Man“ hervorragendes und bisweilen auch interessantes Schauspieler-Charakter-Kino und ein gut konstruiertes Drehbuch, aber wenig wirklich Überraschungen und niemals den nötigen Druck wie etwa „Dog Day Afternoon“ mit Pacino.
Lee verschwurbelt viel Potential mit dem Willen, sich nicht gänzlich untreu in der Inszenierung zu werden, aber das mindert das Vergnügen, am Ende einen komplett spannenden Film zu sehen.

Kein Ärgernis, aber unter den Erwartungen! (6,5/10)


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