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Inside Man (2006)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 8 / 10)
eingetragen am 06.04.2006, seitdem 2851 Mal gelesen



Spike Lee hat sich an den Mainstream gewagt !!!

Er ,der New York von der realistischen Seite mit seinen Rassenkonflikten gezeigt hat, beschäftigt sich mit einem Bankraub, einem Thriller mit Geiselnahme und Profigangstern – Yeah, da kommt doch hoffentlich richtig Blut, Ballerei und Spannung auf....oder versagt der Meister etwa auf fremdem Terrain ?

Ich muß gestehen, ich bewundere die Künstler.

Das sie sich immer wieder trauen, sich dem „kritischen Volk“ auszuliefern, daß selten etwas besseres zu tun hat, als ihr eigenes Schubladendenken zu pflegen.

Dazu einmal eine kleine Geschichte aus einem anderen Bereich :

Einmal im Jahr wurde von einer sehr ernsthaften und traditionsreichen Stiftung ein Musikkünstler des Jahres ausgezeichnet – selbstverständlich immer ein „klassischer“ Künstler, also ein Opernsänger, Pianist usw.
Doch einmal wagten es die Juroren einen Jazz-Musiker auszuzeichnen.
Erkannten nun die klassischen Musikliebhaber an, daß auch ein Jazzmusiker ein seriöser Musiker ist ? Nein, keineswegs! – Sie glaubten, die altehrwürdigen Juroren hätten den Verstand verloren....

Wenn etwas nicht ins eigene Denkmuster paßt, wird es abgestraft. Dabei wird auch immer das schöne Kriterium der eigenen Langeweile hinzugezogen, als ob diese persönliche Empfindung irgendetwas über die Qualität eines Filmes aussagt. Sie sagt nur viel über den Charakter des Autors aus.

Keiner verlangt, daß man einen Film mag. Aber als Kritiker sollte man zwischen subjektiven und objektiven Kriterien unterscheiden und sie nicht vermischen :

Spike Lee hat hier keineswegs einen typischen Thriller gedreht und er hat sich deshalb auch nicht an die scheinbar ehernen Regeln dieses Genres gehalten.

- Etwa weil er diese nicht kennt (im Gegensatz zu uns allwissenden Kinoguckern)?
– Oder weil er plötzlich verlernt hat, Filme zu drehen ?
Vielleicht – und man sollte sich doch einmal mit diesem Gedanken beschäftigen – hat er schlicht etwas anderes vorgehabt, etwas ungewöhnliches....

Sehen wir uns doch einmal den Film genauer an :

- Er fängt direkt und ohne Umschweife mit dem Bankraub an und hört auch wieder damit auf, außer einem kurzen Nachspann – das habe ich noch nie so gesehen. Bei allen Geschichten mit einem Bankraub oder einem ähnlichen „Großen Ding“ nimmt dieses Ereignis nur einen Teil des Gesamtfilmes ein. Die Entwicklung und Anlaß dafür nimmt normalerweise einen großen Raum ein, das interessiert hier Keinen
- Es wird schnell klar, daß den Geiseln nichts passieren wird. Gewalt wird dosiert eingesetzt, um den eigenen Plan zu unterstützen. Todesspannung und gefahrenvolle Situationen kommen deshalb nicht auf, man merkt schnell, daß der Anführer eher Typ „Gentleman“- Gangster ist,
- Die „geniale“ Idee ,mit der die Gangster sich nach dem Raub entziehen wollen, wird sehr schnell verraten (sie ist übrigens wirklich gut und ich habe das so noch nicht gesehen). Bestimmt nicht weil Lee das Timing verloren hat, sondern weil es für die Gesamtgeschichte eben nicht „die entscheidende Idee“ ist,
- Der von Clive Owen gespielte Anführer und Ideengeber wird kaum charakterisiert, sonstige Lebenszusammenhänge werden nicht erläutert .Die Komplizen kommen nur als funktionierende Chargen vor – das gerne in solchen „Bandenfilmen“ gezeigte Zusammenspiel verschiedener Charaktere, aus dem sich ja oft Spannungen ergeben, existiert hier nicht,
- Der von Denzel Washington gespielte Detective wirkt eher wie ein Dandy, körperlicher Einsatz oder wilde Schießereien sind da nicht angesagt....

Alle diese Faktoren stehen im Widerspruch zum üblichen Thriller und die Lösung dafür ist ganz einfach, Spike Lee macht nämlich das, was er immer macht – er zeigt New York, seine Menschen, die Vermischung der verschiedenen Rassen und Lebensformen.

Nur macht er das nicht mehr mit konkreten Ghettogeschichten oder an Hand von Biographien ,sondern unendlich lässig – eben mit einem Bankraub.

Dieser ist perfekt geplant und wird professionell ausgeführt – schon kurz danach hat auch die Polizei Stellung bezogen – nicht zuletzt, weil die Gangster das auch etwas beschleunigen.

Nur, die Polizei merkt erst mal überhaupt nichts und läßt alles nach Plan B für Bankraub mit Geiselnahme durchführen...

Dabei entstehen witzige und ernste Geschichten :

- der Sick, den die Polizei schlägt und ihm den Turban wegnimmt, obwohl er Mitarbeiter der Bank ist,

- die Polizei glaubt die Gangster abzuhören und hört dabei eine Stimme, deren Sprache sie nicht versteht

- die Polizei löst ein Rätsel des Anführers und diskutiert hinterher kontrovers die Lösung,

- durch rassistische Bemerkungen eines Polizisten kommt Denzel Washington erst auf eine entscheidende Idee,

- auf die freigelassenen Geiseln wird geschossen (mit Gummigeschossen)
usw.

Spike Lee gelingt mit „Inside Man“ ein sehr kurzweiliger Film, der seine Spannung nicht aus einem Thriller-Plot erhält, sondern aus den verschiedenen Personen, die alle irgendetwas vorhaben, was sich dem Betrachter erst nach und nach erschließt....darunter auch Jodie Foster, die als Mrs.White für „weiße Westen“ sorgen soll.

Lee vermischt die Story mit einer Vielzahl von Blicken auf die verschiedensten Typen (herrlich die vielen „Verdächtigten“-Befragungen) und neben dem dabei entstehenden Blick auf die Bevölkerung New Yorks, gelingen ihm auch kritische Töne.

Aber alles immer schön lässig...

Ein sehr intelligenter origineller Film, der zeigt, daß Spike Lee weiß, wo es lang geht und daß er nichts mehr beweisen muß, geschweige denn den Dampfhammer gebrauchen muß.

Für Jeden, der sich frei von Vorurteilen auf einen Film einlassen mag, eine lohnende und unterhaltende Erfahrung und das ist doch auch ein schönes Ziel, nicht wahr? (8/10).


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