Ansicht eines Reviews

Inside Man (2006)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 9 / 10)
eingetragen am 16.04.2006, seitdem 852 Mal gelesen



Bankraub im Hause Lee? Verkehrte Welt und doch so typisch!
Das was Regisseur Spike Lee uns mit „Inside Man“ bietet, fällt eindeutig unter den Aspekt künstlerische Freiheit. Kreativität die gut tut, denn die Handschrift des gesellschaftskritischen Regisseurs funktioniert auch in Bereichen fernab des Dramas. Wer mit der Erwartung eines typischen Genrevertreters ins Kino geht, wird enttäuscht sein, denn das Gezeigte ist weder Heist bzw. Caper Movie - eher ein wenig von beidem mit der unverkennbaren Note eines intelligent agierenden Regisseurs.

Es beginnt visuell und akustisch schon äußert ungewöhnlich, was nicht heißt, das es schlecht wäre. Eine imposante Kamerafahrt quer durch New Yorker Bauten, liefert nicht nur wunderbare Bilder, sondern steht auch gleichermaßen für ein Themengebiet des Films - Lees Stadt, für die er leibt und lebt. New York als Metropole für die Welt, hier findet man alles, wenn man nur die richtige Straße entlang geht. Untermalt mit der fröhlich lockeren indischen Titelmelodie ergibt die Kombination aus Bild und Musik eine herrliche Atmosphäre des städtischen Schmelztiegels wider.

Dann beginnt das WIE. Vorher hat Dalton Russell alias Clive Owen dem Zuschauer per Videobotschaft schon einmal angedeutet, dass hier ein selbstbewusster Mann einen Plan hat – einen Plan der darüber hinaus auch noch perfekt sein soll! Oh ja, der perfekte Bankraub! Warum!? Na ja, da wird der Betrachter vom Protagonist auf Kosten der Coolness schon einmal angelogen, aber das WIE, hier liegt in der Tat der Hund begraben. Es werden keine Vorbereitungen oder sonstige Maßnahmen gezeigt, der Plan wird in den ersten Minuten bereits umgesetzt. Ein deutlicher Unterschied zu bisherigen Genrevertreten!

Genau genommen liefert die Videobotschaft zu Beginn des Films für die besonders aufmerksamen Beobachter schon einige Details hinsichtlich der Auflösung, aber darauf kommt es in erster Linie gar nicht an, denn anders als angenommen ist das WARUM deutlich wichtiger als das WIE. Verhöre der Geiseln während des Films deuten schon an, dass der Coup funktioniert hat und die Handlung unchronologisch abläuft. Es liegt vieles an der Betrachtungsweise und hier zeigt Spike Lee seine gedanklichen Geschütze. „Inside Man“ ist ein Spiel mit den Erwartungen. Klischees werden nicht nur im zwischenmenschlichen Bereich offenbart, nein, sie sind Teil des Plans, weil sie von Dalton benutzt werden. Vorurteile, Verhaltensmuster, Gesetzmäßigkeiten - nichts wird ausgelassen. Amüsante Anspielungen und Seitenhiebe sind ein Grund zum Schmunzeln. Subtile Gesellschaftskritik im Sinne Spike Lees!

Geschickt wird dem Katz- und Mausspiel zwischen Cop (Denzel Washington) und Räuber ein weiterer Nebenplot angefügt. Der Bankenchef beauftragt Jodie Foster (hier als skrupellos eloquente Anwältin) den Inhalt seines eigenen Bankschließfaches sicherzustellen. Zunächst ist das Ganze verwirrend, aber die intelligenten Zusammenhänge ergeben sich erst am Ende. Der Plan ist größer als man denkt und Spike Lees Handschrift ist deutlich zu spüren. Dalton Russell ist tief im Inneren der Wahrheit.

Trotzdem driftet „Inside Man“ nicht in eine schwermütige Richtung. Die Cops, allen voran Denzel Washington, sind nicht von der Sorte „Die Hard“ oder bornierte „Texas Ranger“. Nein, im Dialog zwischen den Parteien hinterlässt der gelungene Wortwitz seine erwünschte Wirkung. So hat man auch durchaus Spaß an der Sache. Einen großen Anteil daran haben auch die Protagonisten, vor allem Clive Owen und Denzel Washington. Beide sind auf ihre Art und Weise überzeugend, gleichermaßen cool mit der nötigen Souveränität und Ernsthaftigkeit - schlichtweg glaubwürdig und völlig passend. Unausstehlich gut ist auch Jodie Foster als ekelhafte, geldgeile Anwältin, die ihre Reputation auf der Nasenspitze trägt.

Beim Thema Geld sind wird dann auch schon wiederum bei der Moral und dem cleveren Tausch der Motive. Nichts ist so wie es scheint und wer sich auf Klischees beruft, wird eines Besseren belehrt. Im Grunde sollte man sich 130 Minuten treiben lassen, anstatt die Nadel im Heuhaufen zu suchen, denn das Motiv ist ebenso interessant wie das WIE.

Kritikpunkte gibt es dennoch, denn für die Verwirrung fernab der gedanklichen Ebene sorgt dann teilweise auch die Schnitttechnik und die bei der Eröffnungssequenz noch so tadellose Kameraführung. Schnelligkeit und Hektik vermitteln nicht immer Realismus. Verdammt, warum muss man erst zu Toilette rennen bevor dieser postmoderne Irrglaube endlich ein Ende hat!?

Dennoch ist „Inside Man“ ein wohltuendes Spiel mit der Erwartungshaltung. Unbeschwert, aber doch so lakonisch bedeutungsvoll. Die Moral von der Geschichte fehlt bei Spike Lee natürlich nicht, wobei auch der an den Tag gelegte Moralismus eher auf humorvoller, unaufdringlicher Ebene vermittelt wird. So bleibt eine Mixtur verschiedener filmischer Motive, die allesamt zu einem hohen Unterhaltungswert führen. Ein allseits genialer Plan! Respekt! (8/10)


Surprise me!
"Surprise me!" BETA
Lassen Sie sich überraschen! Wir führen Sie zu einem zufälligen Treffer zu einem Thema Ihrer Wahl... Wollen Sie eine andere Kritik von "Professor Moriarty" lesen? Oder ein anderes Review zu "Inside Man (2006)"?


Zur Übersichtsseite des Films
Liste aller lokalen Reviews von Professor Moriarty

Zurück


Copyright © 1999-2017 OFDb.de - Die Online-Filmdatenbank
Alle Rechte vorbehalten.
Nutzungsbedingungen · Werben · Impressum
Hosted by Net-Build



Quicksearch






User-Center

Benutzername: 
Paßwort:
Login nur für diese Sitzung:

·

809 Besucher online


SSL  SSL-gesicherte
Verbindung aktiv


Abonnement


Abonnement - Bitte erst anmelden
Melden Sie sich bitte an, um Abonnements vornehmen zu können



Neue Reviews


Star Trek - Der Film (1979)
Bolt - Ein Hund für alle Fälle (2008)
Star Wars: Die letzten Jedi (2017)
Haunting at Foster Cabin (2014)
Husk - Erntezeit! (2011)



News


Unser News-Bereich wurde überarbeitet und wird in Kürze weiter ausgebaut werden, damit Sie stets aktuell über alle Neuigkeiten rund um die Welt des Films informiert sind.

» Zum neuen News-Bereich