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Inside Man (2006)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 7 / 10)
eingetragen am 10.05.2006, seitdem 409 Mal gelesen



Ein Banküberfall mit Geiselnahme. Klingt im ersten Moment reichlich abgedroschen. Ist es ja im Grunde auch, aber in Inside Man ist alles etwas anders. Die vier Gangster sind zunächst nicht als solche zu erkennen, denn sie betreten die Bank als Maler verkleidet und zudem vermummt und zwingen die Geiseln, es ihnen gleich zu tun. Außerdem drängt man keinesfalls darauf, den Überfall möglichst schnell abzuwickeln.
Detective Keith Frazer, gegen den ein Vorwurf wegen Unterschlagung im Raume steht, wird als Vermittler eingesetzt. Seine anfängliche Coolness und sein Überlegenheitsgefühl verblassen aber angesichts der Professionalität des Anführers der Bande, Dalton Russell, dem es vor allem um den Inhalt eines bestimmten Schließfachs geht, an dessen Geheimhaltung dem Präsidenten der Bank, Arthur Case, viel gelegen ist. Dieser beauftragt Madeline White, mit Russell zu verhandeln, ohne dass beide zunächst wissen, dass Russell von Anbeginn im Bilde ist.
Schließlich ist die Geiselnahme beendet, von den Tätern fehlt jede Spur und auf den ersten Blick scheint es, als sei nichts gestohlen worden. Nur Case, White und Russell wissen mehr. Bis Frazier von Letzterem einen Hinweis erhält.

Bei Inside Man findet eine interessante Erzähltechnik Anwendung, die den Zuschauer bei Laune halten soll, denn der Film springt vor und zurück zwischen der jeweils aktuellen Handlung während des Überfalls und den Verhören a posteriori, die stark vermuten lassen, dass der Ausgang des Überfalls nicht zu 100% im polizeilichen Interesse war.

Inside Man ist deshalb ungewöhnlich, weil er die standardisierte Banküberfallmasche aufgreift und fast komplett neu interpretiert. Es gibt hier keine klare Zäsur zwischen Gut und Böse. Der Prototyp des Antihelden, Dalton Russell, verfolgt etwas von ideelem Wert, seine Methode kann man umstritten nennen, seine Ziele aber redlich. Frazier ist kein Mustercop, denn auch er hat seinen Preis. Case ist schließlich gar nicht koscher und widerspricht damit seiner öffentlichen Reputation und White betätigt sich in einem recht ungewöhnlichen Dienstleistungsberuf in einer Wachstumsbranche; als diplomatischer Problemlöser für finanzkräftige Kunden, für die sie notfalls auch die Grenzen der rechtlichen Grauzone überschreitet.

Die Stärke des Filmes ergibt sich auch daraus, dass er Gangster und Polizisten auf Augenhöhe erscheinen lässt, eher noch sind Erstere ihren Widersachern stets einen Schritt voraus. Gewöhnlich fangen Bankräuber stark an, verlieren irgendwann die Nerven und werden schließlich überrumpelt. So ähnlich hat es sich wohl auch Frazier gedacht, von dessen Gegensatz mit Russell, gespielt von Washington und Owen, Inside Man sehr stark profitiert. In einer Szene fragt er Russell, ob dieser den Film Hundstage (1975) kenne, um diesen von seinem, aus seiner Sicht, aussichtslosen Vorhaben abzubringen. Die Figur Dalton Russell hat aber fast nichts mit dem Sonny aus besagtem Film gemein, denn er reißt keinen hektisch durchgeführten, spontanen Coup herunter, sondern verfolgt einen eiskalt durchgezogenen, diffizilen Plan, der ihm den "perfekten Bankraub" gewährleisten soll.

Ein derart stark besetzter Film, benötigt natürlich auch ein adäquates Gegenstück hinter der Kamera. Dass es sich hierbei um Spike Lee handelt, muss einem nicht unbedingt gesagt werden, denn es ergibt sich unweigerlich aus „seinem Thema“, das auch hier zwischen den Zeilen durchschimmert, oftmals aber in einem Thriller unpassend wirkt. Vielleicht hat Lee aber den Eindruck, dass Rassismus in der Gesellschaft in all seinen Erscheinungsformen stets allgegenwärtig ist: Ob beiläufig, versteckt, offen oder als selbstverständlich empfunden und damit als solcher gar nicht mehr erkannt – Lee deckt wieder einmal die ganze Palette ab: Straßenpolizisten hegen Ressentiments gegen einen arabisch Aussehenden, der sich schlussendlich gar nicht als solcher entpuppt; Frazier und sein Partner Mitchell ignorieren nonchalant den Unterschied zwischen Albanien und Armenien, die ja nur ca. 1800 km trennen; ein Lateinamerikaner wird abschätzig Pablo genannt; ungleich offensiver ist ein Mexikaner schon mal ein Tortillafresser und ein Weißer käsehäutig.

Inside Man geht außerdem ungewöhnliche Wege, wenn es darum geht, sich nicht von hohen Zuschauerzahlen abhängig zu machen und die Produktionskosten schon im Vorfeld bestmöglich zu decken. Wie sonst könnte man sich die viele Werbung, z.B. für Amazon, Dell, Sony, Apple oder Wrigley’s erklären. Im Sinne des Filmes kann man wohlwollend davon ausgehen, dass die Werbung zu einer authentischen Atmosphäre beitragen sollte.

Eine alte Katz und Maus-Geschichte atypisch aufbereitet, dazu Topdarsteller, die jeweils in charakteristischen Rollen zum Einsatz kommen, deren Anteile aber insgesamt etwas unausgewogen wirken. Das ganze gezeichnet mit der erkennbaren Spike Lee-Handschrift, ergibt ein unterhaltsames Spektakel und eines der Highlights 2006.


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