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Inside Man (2006)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 6 / 10)
eingetragen am 03.08.2012, seitdem 383 Mal gelesen



Inside Man - A Spike Lee Joint

Nach dem grandiosen "Summer Of Sam" war "Inside Man" nun mein zweiter "Joint" aus dem Dunstkreis des vielgelobten Regisseurs  Spike Lee und nicht annähernd so schmackhaft wie dessen filmische Auseinandersetzung um den kaltblütigen Serienkiller, die mehr Milieustudie war als Thriller, für den man "Summer Of Sam" angesichts seiner Thematik hätte halten können.

Hier wie da mit namhaften TOP-Stars bis in die Nebenrollen besetzt, spielt Lee auch in "Inside Man" mit der Erwartungshaltung des Zuschauers und liefert einen clever konstruierten Plot um ein gewöhnliches Verbrechen ab: einem scheinbar perfekten Banküberfall.

Nichts ist wie es scheint - eine Regel, die der Zuschauer im Laufe der Spielzeit immer wieder bestätigt sieht und dabei des öfteren gekonnt an der Nase herum geführt wird. Glaubt er die Auflösung längst zu kennen, wird er immer wieder eines Besseren belehrt. In dieser Hinsicht ist "Inside Man" genauso wendungs- und fintenreich wie der Überfall, der im Zentrum der Handlung steht.

Bis zu seinem fulminanten Plott-Twist besticht der Thriller vor allem durch sein hochkarätiges Star-Ensemble, wobei Cliff Owen als charismatischer Bankräuber überzeugt, während Washington eine souveräne Leistung abliefert - mehr aber auch nicht. Die Rolle des ausgefuchsten Verhandlungsführers verlangt ihm nicht viel ab und auch Jodie Foster, die eine berechnende und durchtriebene Vermittlerin spielt, glänzt ohne dabei jedoch einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen.

Ein Banküberfall als Dreh- und Angelpunkt eines über zwei Stunden langen Films, ein Polizist auf der einen, der gerissene Anführer einer Räuberbande auf der anderen Seite, und mittendrin ein Handlungsstrang um einen einflussreichen und mächtigen Bankier, der unter allen Umständen ein düsteres Geheimnis zu bewahren versucht. Die Zutaten versprechen einen flotten Actioner im Stil von "Verhandlungssache" - doch weit gefehlt! So konventionell sind Lees Werke nicht gestrickt - ganz im Gegenteil:

Spike Lee inszenierte sehr ruhig und ohne überflüssiges Krawall-Brimborium. Entsprechend dialoglastig kommt der Film rüber, wobei vor allem die Wortduelle zwischen Washington/Owen, Washington/Foster und Washington/Plummer gefallen.
Dabei wechselt der Film mehrmals die Zeitebene und zeigt in Rückblenden die Verhöre der Geiseln. Hier kommt natürlich auch die Vielseitigkeit des von Washington dargestellten Charakters zum Vorschein, aber: es zieht sich wie ein Kaugummi!
Die Spannung hält sich zwar konstant aufrecht, vor allem bildet im letzten Drittel die Frage nach dem Inhalt von Schließfach 392 einen weiteren Spannungsfaktor - aber alles in allem ist das für 120 Minuten etwas zu wenig, was dem Zuschauer da präsentiert wird. Da wirken auch eher die humoresken Einlagen und ein paar schlüpfrige Details (Samantha Ivers wahrlich beeindruckender Busen und das "Gesetz 80DD") etwas deplatziert, auch wenn sie die komplexe Story etwas auflockern sollen.
Trotz aller Spannung und undurchsichtiger Verwicklungen bleibt "Inside Man" in seiner Inszenierung zu ruhig, um durchweg auf ganzer Linie unterhalten zu können. Zu viele Längen und auch Logiklöcher bremsen den Unterhaltungswert auf dem Weg zur Zielgeraden.

Das letzte Drittel - was immerhin auch ganze 40 Minuten ausmacht - ist dann auch als Konsequenz auf den finalen Plott-Twist um einiges flotter inszeniert. Ist das Rätsel um Schließfach 392 einmal gelöst, machen die weiteren Entwicklungen umso mehr Spaß, denn mit Beendigung des Banküberfalls ist der Film noch lange nicht zu Ende und der Handlungsstrang um den Bankier sorgt für einen weiteren Spannungsaufbau.

Vor allem dieses Drittel des Films ist dann auch gleichzeitig der Akt, der "Inside Man" vor dem mageren Durchschnitt rettet.
So sehr um Raffinesse und Spannung bemüht, blieben Tempo und Dramatik lange Zeit auf der Strecke.
Ausgefeilte Kameraeinstellungen, geschliffene Dialoge und Stars in Spiellaune garantieren noch lange keinen sehr guten Film und davon ist "Inside Man" auch weit entfernt.

Rückblickend, nachdem alle Details einen Sinn ergeben, ist der Film gut - mehr aber auch nicht. Hätte man die Prioritäten anders gesetzt hätte er viel besser werden können - vor allem kürzer und somit straffer. So bleibt letzten Endes lediglich ein Zinssatz von 6,75% auf dem Habenkonto.


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