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16 Blocks (2006)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 7 / 10)
eingetragen am 22.04.2006, seitdem 1453 Mal gelesen



Nach diversen ambitionierten direct to video Filmen liefert der Nu Image Ableger Millenium Films mit „16 Blocks“ nun seinen ersten größeren Kinofilm ab.
Jack Mosley (Bruce Willis) ist ein ausgebrannter Cop: Er hängt an der Flasche und die Kollegen geben ihm nur Drecksarbeit. An sich sieht es nach einer Standardrolle für Willis aus, doch „16 Blocks“ variiert das Muster doch entscheidend: Der Cop ist noch heruntergekommener als in „Stirb langsam“, „Last Boy Scout“ usw., sogar noch mehr als in „Hostage“, hat eine Wampe und ein lahmes Bein. Er wird im Verlauf der Handlung eher moralisch als körperlich über sich hinauswachsen, was sehr an die Sheriffsrolle aus „Cop Land“ erinnert.
Bei dem Stand ist es kaum ein Wunder, dass man Jack trotz Dienstschluss dazu abkommandiert den Zeugen Eddie Bunker (Mos Def) 16 Blocks zum Gericht zu eskortieren. Der ist schwarz, quaselt öfters, hat aber nicht die überzogene Art eines Chris Tucker oder eines Eddie Murphy. Stattdessen bleibt sein Verhalten im Rahmen, wie es zu dem realistisch gehaltenen „16 Blocks“ passt.

Auf dem Weg versucht man Eddie zu töten, was Mosley verhindert. Doch dahinter stecken korrupte Kollegen, die durch Eddies Aussage in Gefahr geraten. Jacks Partner Frank Nugent (David Morse) gehört auch dazu und versucht ihn zum Wegsehen zu überreden, doch Jack hält an seiner Aufgabe fest. Die Eskorte wird zum Höllentrip…
„16 Blocks“ ist eine sehr realistisch gehaltene Angelegenheit, weshalb die Action hier kaum im Vordergrund steht. Ein paar kurze Schusswechsel und ein wenig Blechschaden, das ist die Ausbeute. Auch die Inszenierung ist sehr realistisch: Der abgewrackte Jack besiegt keine Überzahl, flieht öfter anstatt sich auf ein Feuergefecht einzulassen usw. Dadurch ist die Action zwar nicht sonderlich spektakulär, passt aber gut in den realistischen Kontext. Zudem ist Richard Donner an Bord, der die vorhandenen Gefechte sehr stylisch inszeniert (besonders gelungen: Die Verhinderung des ersten Überfalls).

Allerdings muss man sagen, dass der Plot von „16 Blocks“ nicht gerade von Einfallsreichtum strotzt. Der Kampf gegen korrupte Kollegen im Zeugenschutz ist ein alter Hut und so kann man die Geschichte an ein paar Punkten voraussagen: Natürlich wird Jack standhaft bleiben, natürlich wird er niemandem vertrauen. Auch viele seiner Kniffe (z.B. in der Krankenwagenszene) kann man absehen, doch immerhin begeht „16 Blocks“ nicht den Fehler seinen Helden zum Übermenschen zu stilisieren. So bemerkt Jack z.B. viel zu spät, dass man sein Handy ortet usw.
Erst gegen Ende fährt „16 Blocks“ dann einige überraschende Wendungen auf: Die Sache mit der Zeugenaussage wird auf unerwartete Weise gelöst und auch über Jack erfährt man ein paar neue Informationen. Auch der scheinbare Einbruch in die Wohnung seiner Frau erscheint plötzlich in neuem Licht, sodass „16 Blocks“ immerhin ein wenig mit den Versatzstücken seines Genres spielt und nie zur Konventionsware von der Stange verkommt, wenngleich der ruhige Polizeifilm das Genre nicht aus den Angeln hebt und stellenweise auch etwas zu langsam und unscheinbar bleibt.

Ebenfalls erfreulich ist die Charakterzeichnung: Jack und Eddie sind beide gebrochene Menschen, die bei dem Wohnungseinbruch beide aus verschiedenen Gründen weinen müssen. Im Gegensatz zu früheren Willisrollen und der bereits erwähnten „Cop Land“-Figur scheint es für Jack Mosley zudem weniger Hoffnung zu geben, sodass „16 Blocks“ eine teilweise überraschend pessimistische Stimmung anschlägt. Hoffnung ist auch ein ständiges Thema der Konversation zwischen Jack und Eddie: Der Cop ist ausgebrannt und glaubt an kaum noch etwas, Eddie sieht überall Omen und glaubt daran, dass sich Menschen sich noch ändern können. Diese Themen werden bis zum Ende konsequent aufgegriffen und geben dem Film zusätzliches Flair.
Schauspielerisch fällt hier vor allem der großartige Bruce Willis auf, der sich merklich unheroisch gibt und seine Rolle so abgewrackt anlegt wie noch nie. Kein Heldentum, noch nicht mal im gemäßigten „Hostage“-Ausmaß. Zudem verleiht er der Coprolle einige Tiefe, ebenso wie David Morse als Bösewicht, der trotzdem nie klischeehaft fies wirkt. Mos Def ist zwar bisweilen etwas daneben, aber es gibt wesentlich schlechtere Rapper beim Film, und er spielt immerhin OK.

Bleibt unterm Strich ein schön realistischer Polizeifilm mit hervorragenden Darstellern, weniger, aber netter Action und einiger Atmosphäre. Zwar könnte der Film mehr Drive vertragen und hält sich teilweise arg an die Genrekonventionen, aber dem Freund von Polizeifilmen bietet „16 Blocks“ gute Unterhaltung.


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