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Bande des Schreckens, Die (1960)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 4 / 10)
eingetragen am 02.01.2009, seitdem 660 Mal gelesen



Mit einem gewissen Erschrecken lese ich hier zum Zeitpunkt des Eintrags zwei bestbenotete Rezensionen zu diesem Film, der in meinen Augen einen frühen Tiefpunkt der Wallace-Filmreihe darstellt. Mir fällt die Vorstellung schwer, dass Harald Reinl, der in "Die Bande des Schreckens" einen reichlich albernen Krimi bietet und diversen Darstellern freie Bahn für absurd überzogenes "Schauspiel" lässt, auch "Der Frosch mit der Maske" gedreht haben soll, den ich für den möglicherweise besten Wallace-Krimi überhaupt halte. In der Rolle des Ermittlers ist wie später noch oft Joachim Fuchsberger zu sehen. Er hat hier schlichtweg zu viel Leinwandpräsenz und ist in seinem Denken und Handeln viel zu perfekt geraten, andere Figuren verkommen teilweise eher zu Stichwortgebern und die obligatorische Romanze mit Karin Dor, die hier immerhin ganz ansprechend agiert, wirkt hier wie in vielen weiteren Wallace-Filmen reichlich deplaziert und ebenso unglaubwürdig wie die ganze Handlung, während deren man eine Kröte nach der anderen schlucken muss. Das fängt schon mit einer Szene zu Beginn des Films an, in der ein Verbrecher kurz vor seiner Hinrichtung mehreren Leuten den Tod ankündigt, die bei seiner Festnahme zugegen waren. Nur, warum sind die Zeugen der Festnahme eines Verbrechers bei dessen Hinrichtung anwesend? Auch Details wie eine Betäubungsspritze, deren Wirkung aus wunderbaren Gründen höchstens wenige Minuten anhält und diverse übermenschliche Fähigkeiten voraussetzende Aktionen von "Chefinspektor Long" muss man immer wieder mal ertragen. Die Krönung der Absurdität ist die Identität des maskierten Verbrechers (Fuchsberger alias Long weiß natürlich schon zuvor, um wen es sich da handelt, so albern es auch ist). Zur albernen Handlung gesellen sich Klischeerollen wie die Klamaukpartie von Eddi Arent ("Das macht Freude!") und die der durch ihre Selbstgefälligkeit nervenden Elisabeth Flickenschildt als "Lady Revelstoke", die man im Folgenden in der Wallace-Reihe immer wieder quasi in derselben Rolle als undurchschaubar-rätselhaft wirken sollende ältere Dame erleben muss. Positiv fällt der wirklich ansprechend spielende Karl Georg Saebisch in einer Doppelrolle als Zwillinge Monkford auf. Was dagegen gar nicht positiv auffällt, sind mehrere Auftritte, in denen Schauspieler höchste emotionale Erregung durch Geschrei und das ständige Wiederholen derselben Sätze oder Wörter markieren, so z. B. Josef Dahmen als Henker von London oder Ulrich Beiger als schmieriger Anwalt in einer abstrusen Liebeswerbung um Karin Dor. Dass Harald Reinl hier nicht mäßigend eingegriffen oder ein solches Schauspiel gar gefordert zu haben scheint, wirft kein gutes Licht auf seine Regieleistung. Auch Fuchsberger verfällt bei manchen Auftritten in eine unnötige Schreierei, wenn irgendetwas nicht so läuft, wie es sich Chefinspektor Long vorstellt. Der solide, unaufdringliche Harald Leipnitz oder insbesondere der feinsinnige Günter Stoll sollten später weitaus geeignetere Interpretationen der Ermittlerrolle bieten, womit sie sich leider nicht so in die offenbar für Plattheiten empfänglichen Herzen des Wallace-Publikums spielten wie "Blacky", wie er hier auch im Film genannt wird. Neben den anderen Schwächen fällt vor allem das Fehlen der nebelverhangenen Gruselstimmung auf, die man im "Frosch mit der Maske" oder später in Alfred Vohrers hervorragenden "Toten Augen von London" bewundern kann. Der Schauplatz des Hauses, in dem sich der "Endkampf" abspielt, wäre dafür zwar geeignet, was aber am ebenso wirren wie unrealistischen Verlauf des Finales scheitert. Und was soll man von der Darstellung des Mordes an einem Zugpassagier halten, die sich auf das Bild eines im Dunkeln vorbeifahrenden Zuges kombiniert mit einem "Aaaaaaaaah!"-Schrei beschränkt? Hier hat Reinl wahrlich kein Meisterstück abgeliefert.


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