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Mister Billion (1977)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 5 / 10)
eingetragen am 26.01.2006, seitdem 1289 Mal gelesen



Guido Falcone [ Terence Hill ] erbt von seinem verstorbenen Verwandten aus den USA dessen Finanzkonzern im Wert von 1 Milliarde Dollar. Der Vollstrecker John Cutler [ Jackie Gleason ] will allerdings selber an die Kohlen und setzt dem italienischen Automechaniker eine Vollmachtsurkunde vor, die dieser aber links liegen lässt. Cutler greift dann zum nächsten Mittel und peilt die verführerische Rosie Jones [ Valerie Perrine ] auf die vemeintliche Flasche an und versucht ihn so, zur Unterschrift zu bewegen. Da macht es sich gut, dass beide an Handschellen gekettet entführt werden und sich dabei ineinander verlieben; Guido muss auch bis zum 12.04. um 12Uhr in San Francisco erscheinen und wird das als Geisel wohl kaum schaffen...

Mr. Billion ist nach dem vorjährigen Marschier oder Stirb der 2te Hollywood - Ausflug von Mr. Blauauge, der hierbei sogar die Hauptrolle ergattert und für seine Darstellung einen besseren Rahmen als die Fremdenlegion geliefert bekommt.
Verantwortlich für den kurzen Ausflug in die amerikanische Actionkomödie ist dabei kein Geringerer als Jonathan Kaplan [ Angeklagt, Fatale Begierde, Brokedown Palace ], der sich für Drehbuch und Regie erkenntlich zeichnet.
Nun hatte dieser zuvor und interessanterweise danach so keinerlei Erfahrungen mit lustigeren Werken gemacht, sondern eher mit Actionreissern bzw. Dramen [ Strasse der Vergeltung, Chicago Poker, The Slams ] und erweist sich hier auch nicht wirklich als Naturtalent. Demzufolge kann man den Film als typischen Hill in mehreren Punkten abschreiben, sowohl fĂĽr das Subgenre als auch den Darsteller selber.

Dieser bekommt zwar genug unterstützenden Hintergrund verliehen - spielt einen Landsmann, spricht anfangs italienisch, darf Western nachahmen - aber wirkt dennoch leicht fehl am Platze. Hat die gleiche "Ist smarter, als er aussieht" Figur wie sonst auch, aber nicht präsent genug und etwas unsicher wirkend, was er überhaupt hier soll. Zudem kappt man mit der blitzflinken Lovestory auf den ersten Blick sowohl seine sonstige Souveränität als auch Spontanität und degradiert den guten Mann einzig zum relativ passiven Spielball. Weit und breit kaum was zu sehen von seinem patentierten „hinterfotzig durch die kalte Küche kommen“.
Ehrlich: Da hätten sie auch jeden anderen besetzen können; kein Wunder, dass es nicht mit der Karriere klappte.
Nichtdestotrotz ist Hill noch heute das einzige gute Verkaufsargument, ansonsten würde nämlich kein Hahn mehr danach krähen. Und das tun so schon nicht viele; der Film ist weitgehend unbekannt.

Offensichtlich für die 70er und frühen 80er Jahre bewegt sich der Handlungsrahmen rein auf der Strasse, gibt nur ein Ziel und eine Frist vor und lässt sich dann treiben. Das war in den Cannonball - Filmen ebenso wie bei den Ausgekochtes Schlitzohr - Teilen. Möglichst kaum inhaltliche Substanz für das zahlende Publikum, dafür umso mehr Spektakel und etwas Humor drübergestrichen; zumeist auch lauten. Mr. Billion folgt diesem Konzept, vernachlässigt dabei aber Tempo und Aufregung. Das begrenzte Zeitschema wird nur hier und da mal eingeblendet; auch ein Sprung von Mittwoch auf Sonnabend gemacht, ohne zu zeigen, was dazwischen passiert ist. Dass es Montag schon der letzte Tag ist bekommt man auch nur nebenbei so mit und richtig zu beeilen scheint sich auch niemand. Vor allem nicht der Erbe selber; dass er statt das Flugzeug zuerst mit der Bahn reisst, wird auch nicht so richtig erklärt - Skript drückt sich um so Einiges - und die verschiedenen Stolpersteine auf dem Weg sind zumeist selbst verursacht. Da lässt er sich betrunken machen und ausrauben, in den Knast versetzen und natürlich auch dem Amor hingeben; normale Menschen hätten bei der Aussicht auf soviel Geld wahrscheinlich andere Dinge zu tun, als durch die Gegend zu gondeln.
Die Hindernisse selber wechseln dann ab: Die anfänglichen Entführer kutschieren sich nach einer Verfolgungsjagd in einen Polizeibus hinein; ihr Oberhaupt überlebt gar nur mühsam eine Hubschrauberexplosion. Die Plotoption hat man also nur kurz für etwas Radau genutzt. Schadet zumindest nicht; zumal die beiden quasselnden Geiselnehmer [ u.a. Leo Rossi ] einem schnell auf die Nerven gingen. Wie gesagt, der "Humor"...

Unverständlich in der Geschichte bleibt auch die Handlungsweise vom alten Cutler; da verhält sich die Gegenseite ähnlich unlogisch wie der Protagonist. Da wird wirklich erst im letzten Moment zu gewissen Mitteln gegriffen und vorher dem Schicksal seinen Lauf gelassen, bzw. auf gut Glück gespielt. Jackie Gleason ist natürlich auch kein überzeugender Bad Guy, aber die Rolle selber tut bis auf die letztliche zweite Entführung auch nicht wirklich Böses; vielleicht wegen der Altersfreigabe. Aber lustiges tut er auch nicht; ein Jammer.
Erst am Ende kommt etwas Schwung in die ganze Angelegenheit; für zwei Minuten wird ein Thriller mit sofort anderer Wirkung draus und man eifert doch tatsächlich noch mit dem so oft Geprellten mit. Bisschen spät nur.

Und zuguterletzt die Botschaft: Wer anderen Gutes tut, wird belohnt. Und hierbei tun das vor allem die eh schon Hilfsbedürftigen und Mittellosen. Westliche Humanität wird mit der Lehre vom Karma verknüpft um Nächstenliebe und Philanthropie zu würdigen; edel, aber leider zu dick mit der Moralkeule.

Statt einem Fazit ein Tipp: Zu Trans-Amerika-Express greifen.


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