Eine runde Sache: die Anniversary-Ecke

Vor 25 Jahren: Kafka und das Kino…



Kafka (1991)

“Im Kino gewesen. Geweint.” Diese populäre Notiz Kafkas hat Literaturwissenschaftler darauf gestoĂźen, dass nicht bloĂź die Literatur den Film, sondern dass auch der Film sehr frĂĽh die Literatur beeinflusst haben könnte – wenn auch nicht unbedingt immer ganz direkt. Hanns Zischler veröffentlichte 1996 sein Buch Kafka geht ins Kino, Peter-AndrĂ© Alt lieĂź kĂĽrzlich Kafka und der Film: Ăśber kinematographisches Erzählen folgen. Zischler schob 2002 seinerseits den Dokumentarfilm “Kafka geht ins Kino” nach - quasi der Film zum Buch ĂĽber BĂĽcher und Filme! – und die Edition Filmmuseum hat bereits eine gleichnamige DVD-Veröffentlichung angekĂĽndigt, die aller Wahrscheinlichkeit nach auch ein paar der von Kafka betrachteten Filme zugänglich machen wird… Zuvor hatte bereits Steven Soderbergh (“Sex, Lies, and Videotape” (1989), “Traffic” (2000), “Ocean’s Eleven”-Trilogie (2001-2007)) einen Blick auf Kafka, dessen Werk und das Kino seiner Zeit geworfen.

“Kafka”, der am 15. November 1991 angelaufene, zweite Langspielfilm Soderberghs, ist teils Biopic, teils Werkanalyse, teils Literaturverfilmung – basierend auf einem schon in den 70er Jahren geschriebenen Drehbuch Lem Dobbs’ (“Dark City” (1998)): Jeremy Irons bewegt sich fĂĽr Soderbergh als Franz Kafka durch ein Prag des Jahres 1919 und durchlebt Situationen, deren kafkaeske Beklemmung auch sein eigenes Werk durchzieht, deren Horror aber zugleich dem phantastischen Film jener Jahre gleicht, welchem Soderbergh ebenfalls explizit huldigt; und darĂĽber hinaus ist sein “Kafka” auch ein dĂĽsteres Zeitbild, in welchem nach Ende des ersten Krieges bereits auf einen zweiten Krieg vorausgedeutet wird – damit gleicht er nicht bloĂź Ingmar Bergmans “The Serpent’s Egg” (1977), sondern nimmt auch Kracauers umstrittene Programmatik “Von Caligari bis Hitler” ganz wörtlich. Damit steht er weniger “Milena” (1991) – dem knapp vorangegangenen Biopic ĂĽber Kafkas Ăśbersetzerin & Brieffreundin Milena Jesenská, in welchem Philip Anglim als Kafka zu sehen war –, noch den damaligen groĂźen Kafka-Verfilmungen von Welles – dem er noch am nächsten kommt –, Noelte, NÄ›mec und Straub & Huillet nahe, sondern vielmehr dem phantastischen Kino der 10er & 20er Jahre: und vor allem jenen Filmen, die etwa zeitgleich einen nostalgischen RĂĽckblick und einen phantastischen oder kafkaesk-beklemmenden Tonfall anstreben: etwa Gilliams “Brazil” (1985), Cronenbergs “Naked Lunch (1991), von Triers “Europa” (1991). Mit plumpen und weniger plumpen Verweisen, mit stilisierten Bildern (sowohl s/w, als auch farbig) und einem stimmungsvollen Soundtrack von Cliff Martinez hat Soderbergh eine atmosphärische, unterhaltsame Hommage an das Kino und die Literatur Kafkas abgeliefert, welcher die Kritik die etwas schwĂĽlstige, auf Unterhaltung angelegte Annäherung an die Hochkultur als freche Prätention ĂĽbelgenommen hat. Legt man solchen DĂĽnkel jedoch ab, bleibt ein fantasievoller, spannender und mit Jeremy Irons, Theresa Russell, Ian Holm, Jeroen KrabbĂ©, Armin Mueller-Stahl und Alec Guinness bestens besetzter Mix aus SciFi, Kriminalfilm, Horror, Mystery-Thriller und Drama, der nicht grundlos Kultstatus erlangt hat.
Die einzige deutsche DVD-Veröffentlichung des Films ist allerdings seit Längerem vergriffen: Fassungseintrag von Karm


PierrotLeFou



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