"The Outtake" - die exklusive Kolumne

The Outtake

Mach dich nackig, Potter!



“M├Âchtest du es etwas n├Ąher?” (Emma Watson)

Silvan Prefetzky aka MoonshadeNeulich im Vorraum eines Cinemaxx irgendwo in meiner N├Ąhe. Spontan stehe ich mit zwei Freundinnen in den Startl├Âchern f├╝r Tim Burtons “Corpse Bride”, als wir von dem aktuellen Harry-Potter-Aufsteller ausgebremst werden.

Als sympathisch-durchgeknallte Anh├Ąnger der Serie hatten wir gerade in einer Mammut-meets-Marathon-Sitzung die ersten drei Teile zur Auffrischung noch einmal aufgesogen (zusammen mit Pizza, Popcorn und jeder Menge katerl├Âsender Fl├╝ssigkeiten) und unterzogen die dargestellten Figuren einer genaueren Untersuchung, speziell die neuen Darsteller.

Nach zufriedenstellender Begutachtung gab dann meine Freundin Simone den Schlu├čkommentar ab: “Und Hermine hat jetzt Titten!”

Ja, doch, genau, so ist es und ich bin heilfroh, da├č ich das nicht ausformuliert habe, sonst reiten wieder Feministinnen-Heuler in meinem Briefkasten auf.

Aber so von Frau zu Frau

…da geht sowas ja!

Unter diesem Gesichtspunkt hatte ich mir noch gar nicht so viele Gedanken ├╝ber das Thema gemacht, aber wenn ich jetzt mal auf die von mir zerlesenen sechs B├Ąnde der Saga nachdenke, dann wird die Ausbildung sekund├Ąrer Geschlechtsmerkmale vielleicht nicht zum entscheidenden Element, aber doch zur Basis einigen Interesses.

Kurzes Zwischenspiel:

Ich wei├č nat├╝rlich, da├č ich mich hier auf ganz hei├čes Territorium begebe, wenn ich jetzt der gehypten Kinderbuchserie eine ganze Kolumne schenke, wo der auf der ganzen Welt gelesene Jungzauberer Gegenstand wahnwitziger Verehrung oder totaler Ablehnung ist.

Die Massenhysterie, die momentan alle zwei Jahre jede Menge Jugendliche dazu bewegt, sich zur Mitternacht in irgendwelchen Faschingskost├╝men in die von Obdachlosen und Fixern bev├Âlkerten Innenst├Ądte zu begeben, um wehrlose Buchhandlungen zu belagern, ist ja auch kaum nachvollziehbar, von den arbeitstechniken Risiken der n├Ąchtlichen Auslieferungen f├╝r Paketboten mal ganz abgesehen. Da soll sich schon an Stelle des Hundes so mancher Zauberlehrling in dem nachtbezuschlagten Anlieferer verbissen haben, wenn die Gier nicht mehr bis zur Quittierung zu z├╝geln war und treusorgende Augen weiblicher Burgfr├Ąuleins f├╝llten sich im Augenblick der Begutachtung der ersten Seiten nach all den Monaten keuschen Hoffens spontan mit Tr├Ąnen, sobald eine TV-Kamera zugeschaltet wurde, kamen bisweilen sogar Rotz und Wasser dazu. Die Beatles haben damals vielleicht doch zu fr├╝h aufgeh├Ârt.

├ťbertrieben, ganz klar!

Aber an dieser Stelle m├╝├čt ihr da einfach durch, denn der b├Âse Hype geht nicht weg, indem man ihn ignoriert. Ich hab mich selbst lange genug geweigert, eins dieser B├╝cher aufzuschlagen und da gab es den Hype noch gar nicht, was im Nachhinein geradezu prophetisch anmutet. Aber letztendlich lasse ich mir lieber davon die Ohren volldr├Âhnen als von der g├╝ldenen Vorweihnachtszeit und seinem innerst├Ądtischen Lichterscheinterror, die mir jetzt schon auf die Testikel geht.

Dem Thema Hype widme ich dann gerne noch einen Sonderbericht, aber ├╝ber Sinn oder Unsinn bitte zu Hause diskutieren.

Zur├╝ck in die Pubert├Ąt: nat├╝rlich kolportieren es s├Ąmtliche Zeitungsberichte, da├č die mehr oder minder talentierten Jungmimen in Wirklichkeit als auch in der Rolle langsam zu typischen oder h├╝bschen oder pickligen Teenagern herangewachsen sind.

Das ist sch├Ân, aber nur die halbe Wahrheit.

Die andere H├Ąlfte besagt, da├č das eigentlich das ist, was uns an der Serie ├╝berhaupt noch zunehmend interessiert. Klar haben alle im Hinterkopf, da├č die Titelfigur da noch ein Str├Ąu├čchen mit dem gro├čen, b├Âsen Voldemort, dem Elternm├Ârder und Weltenverderber auszufechten hat, aber das war so klar, wie die Star-Wars-Prequel-Trilogie originell war.

Einen gewissen Kick gibt uns noch die Raterei darum, wer denn nun im siebten Band alles in Gras bei├čen mu├č, aber letztendlich ist der Wechsel auf die romantische Seite l├Ąngst vollzogen.

Wer kriegt wen – das ist die Frage, um die es sich dreht!

Gebt es endlich zu!

Nat├╝rlich kann man mit Drachenk├Ąmpfen immer noch die meisten Kinder hinter der Playstation 2 vorlocken, sofern ein Erwachsener als Begleitung zur Verf├╝gung steht, die Zielgruppe an sich jedoch kriegt strahlende Augen, wenn sie an die Weihnachtsballsequenz denkt, wo die Eifersucht erstmals so richtig von der Leine gelassen wird.

Und das wird in den kommenden Filmen noch zunehmen, denn ein Gutteil der Zuschauer hat nat├╝rlich auch die B├╝cher studiert und da ist die Autorin im sechsten Band langsam aber sicher bei einem 50/50-Split angekommen (K├Ânnten nat├╝rlich auch nur 50 Prozent sein!).

Eine H├Ąlfte des zuletzt erschienenden Bandes ist noch der Identit├Ąt Voldemorts und dem Tod einer gewissen Hauptfigur gewidmet, der Rest dreht sich um Herzensangelegenheiten, wie sie sich kein “Verliebt-in-Berlin”-Schreiber besser h├Ątte ausdenken k├Ânnen.

Da wird geschmust, umarmt und geknutscht und sogar Harry, der im f├╝nften Band zwar seinen ersten Ku├č bekam, aber gleichzeitig ein Vollzeittrauma in Sachen ├╝berzuckerter M├Ądchenromantik, l├Ą├čt seinen Gef├╝hlen freien Lauf und greift sich im Zustand absoluter Euphorie einfach das M├Ądchen seiner Tr├Ąume und gibt ihr einen Schmatz, der sich gewaschen hat. W├Ąhrenddessen zicken und eifers├╝chteln seine Freunde Ron und Hermine umeinander herum, als g├Ąbe es einen Preis f├╝r den kompliziertesten Beziehungsstart. So mu├č das sein, immer nur Fantasy w├Ąrmt auch nicht das Herz. Wie konnten die bei Tolkien den Triebstau eigentlich ├╝ber drei Filme zur├╝ckhalten (vermutlich hatten die deswegen alle haarige F├╝├če, irgendwo m├╝ssen die Hormone ja hin…)? Stehen wir doch zu unserer nostalgischen Vorliebe f├╝r Teenagerromantik, tut ja nicht weh.

Da sind die Erwartungen nat├╝rlich dementsprechend und Fans werden noch zuhauf gr├╝beln d├╝rfen, ob der Jungzauberer vor dem letzten Gefecht eventuell noch zwischen den Zeilen seine Unschuld verliert. Das geh├Ârt inzwischen im Clerasil-K├Ânigreich irgendwie dazu, seit Joss Whedon den Charakter Willow in “Buffy” kurz vor dem letzten Gefecht an ihrer Schule noch ihre Unschuld an einen Werwolf verlieren lie├č (aber bei Neumond sicherheitshalber), worauf der Charakter kurz darauf lesbisch wurde. (Falls das jemand psychologisieren m├Âchte…viel Spa├č!)

Aber wenn es schon in TV-Serien f├╝r j├╝ngere Zielgruppen so handfest zur Sache geht, warum soll dann nicht auch Harry um f├╝nf Minuten vor Weltuntergang die Hosen runterlassen. Das w├Ąre dann auch in der Tradition hollywoodesk, denn das letzte Kapitel des 6.Romans ist derma├čen kitschig verbr├Ąmt in Handlungen und Wortwahl, da├č es schon eines Meisterregisseurs bed├╝rfte, um da ohne Diabetes wieder rauszukommen. Da kann man eine schw├╝lstige Liebesszene fast schon voraussetzen.

Um das klarzustellen: hier wird nicht nach einer Kelle Teenagererotik mit pornographischem Touch verlangt, hier m├╝ssen Zielgruppen zufrieden gestellt werden. Und die verlangen im ├╝bertragenen Sinne nicht nur einen Angriff auf den Todesstern, sondern auch gleich noch Herzensb├╝ndnisse f├╝r die Ewigkeit. Es wird (vermutlich) das Ende der Geschichte sein, die Abenteuer der Jungzauberer k├Ânnen nicht auf der Uni oder so fortgesetzt werden und der Mikrokosmos Hogwarts, der alle Stammcharaktere durch die Kr├╝cke des Schuljahres zusammen hielt, wird sowieso aufgel├Âst.

Sekt oder Selters – beim n├Ąchsten Male mu├č es sein. Die Seiten m├╝ssen dampfen.

Denn wer so viele Abenteuer wie in diesen sieben B├Ąnden lebendig ├╝berstanden hat, der trennt sich auch nicht als Twen wieder, nur weil er nicht abw├Ąscht oder sie st├Ąndig Schuhe kauft.

Etwas Expliziteres w├╝rde mich schon deswegen freuen, weil unsere Kumpels von der r├Âmisch-katholischen Kirche dann gleich zwei Gr├╝nde haben, um medienwirksam die Barrikaden hochzugehen, nicht nur Satanismus, nein, auch noch Sex zwischen minderj├Ąhrigen Unverheirateten. Ich sehe den alten Radi im Peterdom schon eigenh├Ąndig die Deckenmalereien abkratzen, Frau Rowling hat derweil die ganze Welt in der Hand und wei├č noch nicht mal, wie sehr!

Allerdings: die Sache mit der Minderj├Ąhrigkeit…das ist ein Grund.

Gut, schwenken wir um! Zwar d├╝rften inzwischen im Schnitt 94 Prozent aller Jugendlichen im L├Ąndle im Hogwarts-Abschlu├čalter von 17 Jahren mehrere Sexualpartner gehabt haben (wenn auch noch nicht alle unbedingt einen Orgasmus, aber das geh├Ârt nicht hierher), aber deswegen darf J.K.Rowling, die Vorzeigemutter britischer Nation, nat├╝rlich nicht mit Gesetzen brechen.

Ist wenigstens Heavy Petting erlaubt (oder hei├čt es “potting”?)? Zungenk├╝sse?

Ich glaube kaum, denn wer zum Teufel hat die Zaubersch├╝ler bei den hier vorliegenden Stundenpl├Ąnen und Lehrf├Ąchern eigentlich ├╝ber die Gefahren der Verh├╝tung aufgekl├Ąrt? Offenbar ist das ja wohl nicht n├Âtig oder wird Marke Eigenbau erledigt oder ist ganz allgemein ein Skandal!

Obwohl, es hat ja jeder seinen Zauberstab f├╝r Notf├Ąlle…ahem…

Nein, es wird wohl wirklich nicht dazu kommen, begn├╝gen wir uns also mit subtilen Unterschwelligkeiten (z.B. der f├╝r mich immer noch knackigen ersten Szene im dritten Film, in dem Harry unter der Bettdecke seinen Zauberstab zum Leuchten bringt…Freud freuts bestimmt.) und dem wohl erl├Âsenden Moment, wenn sich alle in die Arme fallen, miteinander gl├╝cklich sind und die Welt gerettet ist. (Falls der je so geschrieben wird…)

Bleibt den m├Ąnnlichen Kinog├Ąngern augenblicklich nur, auch weiterhin Emma Watsons Entwicklung mit Interesse zu verfolgen (wen schmachten eigentlich die M├Ądels an, schreibt mir, das ist wichtig…). Was man zu sehen bekommen wird, bleibt bestimmt sicherheitshalber keimfrei. Oder eine fantasy-verbr├Ąmte moderne Fassung von “La Boum”.

In diesem Sinne: Hex Hex!!! Auch ohne Sex!

(Verdammungen, konstruktive Kritik und Lob bitte bis auf weiteres an: Everythingcounts@gmx.net)


Silvan Prefetzky



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