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Der Pistolero, der lächelte РNachruf zum Tode von Giuliano Gemma

Mittwoch, 02. Oktober 2013 - 09:38 | News | Stichwörter: Gemma, Nachruf
Von Bretzelburger

Zum Tode Giuliano Gemmas am 01.10.2013

Der markante Name Giuliano Gemma besitzt einen vergleichsweise bekannten Klang, auch k√∂nnen ihn Viele dem Italo-Western zuordnen, der seine Hochphase bekanntlich in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts hatte, aber damit enden in der Regel die Kenntnisse √ľber einen Schauspieler, dessen Liste an Filmen so lang ist, wie die Texte zu seiner Vita kurz.

Schon sein Einstieg ins Filmgewerbe beeinflusste den Ruf, der Giuliano Gemma w√§hrend seiner langen Karriere verfolgen sollte – keine angesehene Schauspielschule, keine √ľberragend gespielte Theaterrolle oder die Protektion eines einflussreichen Regisseurs brachte ihn Ende der 50er Jahre nach “Cin√© citt√†”, sondern seine athletischen F√§higkeiten, die er zuerst als Stuntman, sp√§ter als Statist in den damals popul√§ren Sandalen-Filmen nachwies. Damit eiferte der erst 20-j√§hrige, am 01. September 1938 geborene geb√ľrtige R√∂mer, seinem Vorbild Bud Spencer nach, der ebenfalls als Sportler in den 50er Jahren zum Film fand. Auch wenn einige der fr√ľhen Filme, an denen er beteiligt war – wie “Boccacio 70″ (1962) oder “Il gattopardo” (Der Leopard, 1963) – einen guten Klang hatten, kam er darin nicht √ľber kleine Rollen hinaus, weshalb er seinen Karrieresprung dem Regisseur Duccio Tessari zu verdanken hatte, der ihn in “Arrivano i Titani” (Kadmos, Tyrann von Theben, 1962) erstmals in einer Hauptrolle besetzte.

Auch f√ľr den Drehbuchautoren Tessari bedeutete dieser Film den Beginn seiner Karriere als Filmregisseur, der eine lange, fruchtbare Phase ihrer Zusammenarbeit einleitete. Mit den fr√ľhen Italo-Western “Una pistola per Ringo” (Eine Pistole f√ľr Ringo, 1965) und “Il ritorno di Ringo” (Ringo kehrt zur√ľck, 1965) beeinflussten sie entscheidend das Western-Genre. Tessari mit seiner Interpretation des Sergio-Leone-Stils – er hatte zuvor am Drehbuch zu dessen erstem Western “Per un pugno di Dollari” (F√ľr eine Handvoll Dollar, 1964) mitgearbeitet – aber mehr noch Giuliano Gemma mit seiner Verk√∂rperung eines l√§chelnden, plaudernden Revolverhelden, der mit seinem glatten, nur von einer Narbe, die er sich als Kind im 2. Weltkrieg zugezogen hatte, gezeichneten Gesicht, den Gegenentwurf zum coolen und schweigsamen Clint Eastwood gab. Selbst Franco Nero, der 1966 als “Django” im Western-Genre re√ľssierte, spielte – wie auch die unz√§hligen weiteren Protagonisten hunderter Western-Filme – letztlich nur eine Variante aus diesen zwei Gegenpolen.

Doch bevor er als Westernheld ber√ľhmt wurde, spielte er in den beiden ersten “Angelique”-Filmen an der Seite Mich√®le Merciers den Nicolas in der franz√∂sischen Produktion unter Regisseur Bernard Borderie – eine Rolle, die ihn bekannt machte und seine Reputation als Sch√∂nling f√∂rderte, aber seiner Anerkennung als ernsthaftem Schauspieler eher schadete. Eine Anerkennung, der Giuliano Gemma scheinbar seine gesamte Schauspielkarriere lang hinterher lief, wenn man den diversen Texten vertraut, die wahlweise seine sp√§teren Rollen in “Il deserto di tartari” (Die Tartarenw√ľste, 1976) von Valerio Zurlini oder “Il prefetto di ferro” (Die Rache bin ich, 1977) unter der Regie von Pasquale Squitieri als Beispiele auch f√ľr anspruchsvollere Rollen benennen. Tats√§chlich wurde Giuliano Gemma sein Image als Western-Darsteller nie wirklich los, was weniger √ľber seine schauspielerischen F√§higkeiten aussagt, als √ľber die grunds√§tzlichen Vorurteile gegen√ľber dem Genre. Dabei variierte Gemma seine Rollen als Revolverheld zunehmend. Western wie “I lunghi giorni della vendetta” (Der lange Tag der Rache, 1967), “I giorni dell’ira” (Der Tod ritt dienstags, 1968), “I bastardi” (Der Bastard, 1968, erneut unter der Regie von Duccio Tessari) oder “Il prezzo del potere” (Blutiges Blei, 1969) sind au√üergew√∂hnlich gute Vertreter des Genres – angesichts von insgesamt dreizehn Western, an denen Gemma bis 1970 beteiligt war, lieferte er stetig √ľberdurchschnittliche Qualit√§t ab.

Doch auch Gemma geriet in den 70er Jahren zunehmend in das Fahrwasser der Western- und anderer Kom√∂dien und spielte einmal sogar an der Seite seines fr√ľheren Vorbilds Bud Spencer in “Anche gli angeli mangiano fagioli” (Auch die Engel essen Bohnen, 1973). In den Augen der Fans hatte er gegen Terence Hill keine Chance, weshalb die meisten seiner Rollen in √§hnlich gearteten Filmen wie “Il bianco, il giallo, il nero” (Drei Halunken erster Klasse), seiner einzigen Zusammenarbeit mit Regisseur Sergio Corbucci, heute gr√∂√ütenteils in Vergessenheit geraten sind. Das gilt leider auch f√ľr seine Mitwirkung in mehreren so anspruchsvollen, wie beeindruckenden Filmen, die in den meisten Auflistungen fehlen. Darunter seine Rolle in “Corbari” (Die letzten Partisanen, 1970), in dem er einen Widerstandsk√§mpfer verk√∂rperte unter der Regie des heute vergessenen Autorenfilmes Valentino Orsini, mit dem er ein Jahr sp√§ter noch das Drama “L’amante dell’orsa maggiore” (Der Geliebte der gro√üen B√§rin, 1971) an der Seite Senta Bergers drehte.

Oder seine Verk√∂rperung des Arbeiters in Luigi Comencinis sozialkritischem Drama “Delitto d’amore” (Verbrechen aus wahrer Liebe, 1974), mit der der immer noch junge Darsteller seine F√§higkeit zu differenziertem Spiel bewies. Dass er in “Sella d’argento” (Silbersattel), einem der letzten ernsthaften Italo-Western von 1978 unter der Regie Lucio Fulcis, erneut zum Revolver griff, ist ebenso signifikant f√ľr seine Position, wie die zwei Hauptrollen, die er in Damiano Damianis sp√§ten gesellschaftskritischen Filmen – “Un uomo in ginoccho” (Ein Mann auf den Knien, 1980) und “L’avvartemento” (Die t√∂dliche Warnung, 1980) – verk√∂rperte. Allein diese Auflistung gen√ľgte schon, den Vorurteilen gegen√ľber Giuliano Gemma zu widersprechen.

Zwar verlie√ü ihn der Erfolg als Schauspieler nicht, aber auch er konnte sich dem Niedergang der italienischen Filmindustrie nicht widersetzen. In den sp√§ten 70er/fr√ľhen 80er Jahren spielte er noch in einigen der zu der Zeit sehr popul√§ren Kriegsfilme mit – keine Rollen, die das Ansehen f√∂rderten – und verk√∂rperte den Detektiv Germani in Dario Argentos Horror-Klassiker “Tenebre” (Tenebre – der kalte Hauch des Todes, 1982). Bevor er ab Mitte der 80er Jahre begann, fast ausschlie√ülich f√ľr das italienische Fernsehen zu arbeiten, schloss er gemeinsam mit Duccio Tessari das Westernkapitel, als er mit “Tex e il signore degli abissi” noch einmal eine Mixtur aus Comic und Western drehte – der Mann, der auch in den ausweglosesten Momenten noch l√§chelte, war sich treu geblieben. Seine k√∂rperliche Fitness bewahrte er sich auch bis ins hohe Alter, bis er bei einem Unfall am 01.10.2013 t√∂dlich verungl√ľckte. Vielleicht verursachte diese Optik und die Lebensfreude eines Mannes, der sich im Alter der Bildhauerei widmete und sp√§t verschiedene Preise f√ľr sein Lebenswerk erhielt, erst die ungerechtfertigte Haltung, sein schauspielerisches Talent nicht ernst zu nehmen – dabei geh√∂rt es zum Schwersten, spielerisch leicht zu wirken.



Kommentare und Diskussionen


4 Kommentare zu „Der Pistolero, der l√§chelte – Nachruf zum Tode von Giuliano Gemma“

  1. hemi782003 sagt:

    Auf das er allen unvergessen bleibt, vorallem denen die ihn schätzten.

    Und f√ľr alle die noch einmal mit ihm lachen m√∂chten, denen sei “Auch die Engel m√∂gen’s hei√ü” ans Herz gelegt.
    Versprochen ganz ohne Bud und Terence aber mit Oliver Onions Sound und Rainer Brandt Synchro. In diesem Film habe ich ihn zuerst gesehen als Johny Albernase und bis heute bekomme ich ein Lächeln im Gesicht wenn ich ihn sehe. Egal ob nun in Tenebre, Ringo, Afrika Express oder in einer seiner Komödien.
    R.I.P. Ringo

  2. Hakanator sagt:

    Meinte nat√ľrlich M. WOOD *rotwerd*

  3. Hakanator sagt:

    R.I.P. Montgomery Ford aka Giuliano Gemma. Der lächelnde Revolverheld.

  4. er wird in seinen Filmen, auf den Mattscheiben der Republik und in den Herzen seiner Fans weiterleben! R.I.P


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