Zusätzliche Informationen zum Film

Gesichter des Todes V (1991)

Beschlagnahmebeschluss von Curengkur
eingetragen am 26.07.2004


Beschluss:

In dem Ermittlungsverfahren gegen den Kaufmann X wegen Gewaltdarstellung (Vergehen nach § 131 Abs. l StGB), wird der Videofilm "Gesichter des Todes, Teil V" (Faces of Death V), vertrieben von der Fa. Madison Video in Wiesbaden-Dotzheim, auf Antrag der Staatsanwaltschaft Wiesbaden nach den §§ 111 b Abs. l, 111 m, 111 n StPO am 1.9.1992 allgemein beschlagnahmt (Az.: 71 Gs 6 Js 15291.2/92).

Aus den in der Entscheidung Nr. 4252 (V) vom 8.1.1992 der BundesprĂŒfstelle fĂŒr jugendgefĂ€hrdende Schriften sowie in der Filmbeurteilung der Zentralstelle des Landes Hessen zur BekĂ€mpfung gewaltverherrlichender, pornographischer und sonstiger jugendgefĂ€hrdender Schriften der Staatsanwaltschaft bei dem Oberlandesgericht Frankfurt am Main - 47 E/2 - 13/92 -vom 16.6.1992 genannten GrĂŒnden, denen das Gericht folgt, erfĂŒllt der Videofilm die Voraussetzungen des § 131 Abs. l StGB. Er unterliegt der Einziehung nach § 74 d Abs. l und 2 StPO.

Filmbeurteilung der Zentralstelle Hessen vom 16.6.1992, Az. 47 E 2 - 13/92:

Der Videofilm "Gesichter des Todes V" wird von der Firma Madison Video, 6200 Wiesbaden, ediert und vertrieben.

Mit Entscheidung Nr. 4252 vom 8. Januar 1992 - bekanntgemacht im Bundesanzeiger Nr. 21 vom 31. Januar 1992 - hat die BundesprĂŒfstelle auf Antrag der JugendĂ€mter Frankfurt am Main und Köln den Film indiziert.

In den GrĂŒnden heißt es u.a.:

Der Inhalt des Filmes ist schwer jugendgefĂ€hrdend i. S. von § 6 Nr. l GjS. Er erfĂŒllt die Tatbestandsmerkmale des § 131 StGB, denn er zeigt GewalttĂ€tigkeiten bzw. Opfer von Gewalt selbstzweckhaft, detailliert und in einer die MenschenwĂŒrde verletzenden Weise. Hauptanliegen des Filmes ist es, das voyeuristische Interesse des Betrachters an UnfĂ€llen, Katastrophen, Verletzten, VerstĂŒmmelten und Toten zu befriedigen.

Der Film wurde von hiesiger Zentralstelle zustĂ€ndigkeitshalber (§ 7 Abs. l und 2 StPO, Nr. 2 Abs. l und Nr. 224 Abs. 2 RiStBV) ĂŒberprĂŒft. Er wird auch diesseits als tatbestandsmĂ€ĂŸig i.S. § 131 StGB beurteilt.

Der Film, der keine Rahmenhandlung hat, besteht aus einem Zusammenschnitt von Darstellungen ermordeter Kinder und Erwachsener sowie tödlicher UnfĂ€lle. Insoweit Ă€hnelt er der Vorausgabe "Gesichter des Todes IV", die hier am 9. April 1991 unter Aktenzeichen 47 E/l - 33/91 als tatbestandsmĂ€ĂŸig i.S. § 131 StGB beurteilt wurde (indiziert: BAnz. Nr. 240 v. 29.12.1990; beschlagnahmt: AG Wiesbaden, Beschluß v. 22.6.1992, Az.: 71 Gs - 6 Js 6806.0/91).

Der Inhalt des vorliegenden Films ist von der BundesprĂŒfstelle in den GrĂŒnden zutreffend wiedergegeben.

Die einzelnen Szenen werden von einem Kommentator begleitet, der den Film als zusammenfassende Dokumentation unserer kranken Gesellschaft verstanden wissen will, um ihm einen seriösen, weil wissenschaftlichen Anstrich zu verleihen, was nicht gelingt. Vielmehr wird durch die Art der Verfilmung deutlich, daß der Film erkennbar das Anliegen verfolgt, voyeuristische Interessen an verstĂŒmmelten menschlichen Körpern und an UnglĂŒcksfĂ€llen zu befriedigen. Um dieses Ziel zu erreichen, werden Nahaufnahmen von Toten gezeigt und besonders abstoßende GeschehensablĂ€ufe durch Zeitlupe und Wiederholungen besonders hervorgehoben. VerstĂ€rkt wird die Darbietung durch musikalische Untermalung, insbesondere durch Orgelmusik.

Lediglich beispielhaft soll der Filmbeitrag erwĂ€hnt werden, in dem mehrere im Erdreich vergrabene Leichen prĂ€sentiert werden. Der Kommentator erlĂ€utert die angeblichen HintergrĂŒnde:

Wie seine MittÀter aussagten, hat Constanzo seine Opfer zunÀchst gefoltert und dann nach einem Ritual getötet, meistens, indem er sie mit einer Machete köpfte. Das Gehirn und andere spezielle Organe wurden entfernt, gekocht und aufgegessen.

Zur BestĂ€tigung des Gesagten wird in Großaufnahme der SchĂ€del eines der Opfer gezeigt. Der obere Teil ist geöffnet; die Hirnmasse nicht mehr vorhanden. Nachdem die Kamera zunĂ€chst die weiteren Opfer erfaßt, wird nochmals die oben erwĂ€hnte Großaufnahme mit dem geöffneten SchĂ€del wiederholt. Unterlegt ist die gesamte Szene durch laute Orgelmusik.

Nach der Neuregelung des § 131 Abs. l StGB gliedert sich der Tatbestand nunmehr in zwei Alternativen.

Von § 131 n. F. werden Schriften erfaßt, die grausame oder sonst unmenschliche GewalttĂ€tigkeiten gegen Menschen in einer Art schildern, die

1. eine Verherrlichung oder Verharmlosung solcher GewalttĂ€tigkeiten ausdrĂŒcken oder

2. die das Grausame oder Unmenschliche des Vorgangs in einer die MenschenwĂŒrde verletzenden Weise darstellen.

Es bedarf keiner weiteren Erörterung, daß die in dem Film geschilderten GewalttĂ€tigkeiten grausam bzw. unmenschlich sind. Nach der ersten Alternative mĂŒssen diese GewalttĂ€tigkeiten in einer Art geschildert werden, die eine Verherrlichung oder Verharmlosung solcher Gewalttaten ausdrĂŒcken. Bei dem Merkmal der Verharmlosung hat der Gesetzgeber erkannt, daß dieser Begriff in der bisherigen Praxis zu eng ausgelegt wurde. Nach den der Neufassung des § 131 StGB zugrundeliegenden Überlegungen (Beschlußempfehlung und Bericht des Ausschusses fĂŒr Jugend, Familie und Gesundheit - 13. Ausschuß - Bundestagsdrucksache 10/2546 Seite 39) werden GewalttĂ€tigkeiten u.a. dann i. S. § 131 verharmlost, wenn deren Schilderungen als selbstzweckhaft einzuordnen sind.

Das ist hier der Fall.

Die Gewaltdarstellungen sind dominierender Filminhalt. Sie werden ohne sozialsinnhafte Motivation aneinandergereiht.

Auch die zweite Alternative des § 131 ist gegeben.


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