Heat (1995)

Die offizielle Filmkritik von Frank Trebbin

Die Angst sitzt neben Dir    

Frank Trebbin ist Autor der in mehreren Bänden erschienenen Buchreihe "Die Angst sitzt neben Dir", in der er sich durch das Besprechen von unzähligen Filmen aller Genres (primär Phantastik) einen Namen als Autor und Rezensent machen konnte.

Die folgende Kritik wurde am 05.03.2017 eingetragen.




Franks Bewertung des Films
(0-5 Sterne für den Film, gefolgt von dem "Härtegrad" auf einer Skala von 0-10)

5 Sterne5 Sterne5 Sterne5 Sterne5 Sterne / 4


Los Angeles. Profigangster Neil McCauly organisiert mit seiner hochprofessionellen Bande spektakuläre Raubüberfälle in Los Angeles und ist wegen bislang sorgsamster Planungen noch nie polizeibekannt geworden. Ein neuer Hitzkopf in der Truppe sorgt jedoch dafür, dass dies so nicht bleibt, denn es gibt Tote auf der Straße. Also heftet sich Lieutnant Vincent Hanna, mit Hingabe Polizist und kein wirklich guter Familienmensch, an McCaulys Fersen, denn er erkennt in seinem Gegner quasi sein Spiegelbild. Als ein Raubzug mitten in der City aus dem Ruder läuft und Downtown L.A. einem Schlachtfeld gleicht, wird die Jagd auf McCauly immer persönlicher...

Drei Männer, 1995 allesamt Best-Ager, auf der Höhe ihres Könnens. Nicht mehr und nicht weniger. Das ist „Heat“, das Cop-Thriller-Meisterwerk mit dem sich Michael Mann, Robert De Niro und Al Pacino ein Denkmal gesetzt haben. Regisseur Mann probiert sich zusammen mit seinem Kameramann-Spezi Dante Spinotti erstmals so richtig und erfolgreich an der Bebilderung seiner flirrenden Nacht-und-Neon-Fantasien aus – ohne dabei seine Wurzeln, die geerdete, tageslichtdurchflutete Action aus der „Miami Vice“-Schaffensphase, zu vergessen – und die beiden Schauspiel-Giganten De Niro und Pacino liefern sich, weil ihnen das Drehbuch abgesehen von dem Schlussbild nur eine einzige gemeinsame Szene zubilligte, ein Fernduell der besonderen Klasse. Beide waren damals sehr wertgeschätzte Profis auf dem Zenit ihres Berufes, beide spielen Profis in ihrem Beruf: den Gangster mit Moral und den Cop ohne Skrupel. Diese Charakterisierung mag heute ausgelutscht erscheinen, doch 1995 setzte „Heat“ gerade damit Maßstäbe, denn nie vorher waren Grenzen fließender bzw. die Figuren vielschichtiger. Michael Mann definierte damals das Cop-Thriller-Subgenre schlichtweg neu und lieferte nebenbei auch noch den Beweis, dass Action nicht immer nur über das Höher-Weiter-Schneller-Prinzip verkauft werden muss sondern durch eine geschickte Inszenierung an sich. Die gut 13-minütige Sequenz des schieflaufenden Banküberfalls ist ein einziges Kabinettstück aus Montage, Schnitt, Bildgestaltung und Ton. Und das Finale auf dem Flughafen erweist sich für Kenner des Genres als tiefe Verbeugung vor Peter Yates „Bullitt“, dem bereits 1968 gefilmten, ebenfalls sehr einflussreichen Meilenstein der Filmgattung ohne den es auch so manchen anderen Film nie gegeben hätte. Geschliffene Dialoge, ein unvergesslicher Synthesizer-Soundtrack und das voller gegenseitigem Respekt steckende Aufeinanderprallen von Gut und Böse, die laut Michael-Mann-Filmkommenatar „Dualität von Jäger und Beute“ sind zudem die Zutaten für einen fast dreistündigen Cop-jagt-Gangster-Streifen, der die kalte, fröstelnde Seite der im sonnigen Kalifornien gelegenen Stadt der Engel kongenial einfängt. Mehr als einen Blick sollte man auch auf die Nebenrollen werfen, die mit Val Kilmer, Tom Sizemore, Jon Voight, Ashley Judd, Danny Trejo, Ted Levine, William Fichtner, Natalie Portman, Wes Studi, Tom Noonan u. a. prominent besetzt sind. Bildformat: 2,35:1.

Ebenso brillant wie „Heat“ selbst ist die „Director’s Definitive Edition“-Bluray-Neuauflage aus 2017: der DTS-Kinoton wummert basslastig und überzeugt in den Actionszenen mit kraftvollem, direktionalem Surround-Sound; das Bild ist gestochen scharf und lässt die atmosphärischen Nachtbilder von Los Angeles noch klarer erscheinen (ohne dabei das störende DV-Optik-Gefühl späterer Michael-Mann-Streifen zu verströmen). Wer also diesen modernen Genre-Klassiker noch einmal in technisch einwandfreier Aufmachung neu oder wieder erleben möchte, dem sei diese Veröffentlichung wärmstens ans Herz gelegt.


© Selbstverlag Frank Trebbin



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