Erpressung - Wie viel ist deine Familie wert? (2017)

Die offizielle Filmkritik von Frank Trebbin

Die Angst sitzt neben Dir    

Frank Trebbin ist Autor der in mehreren Bänden erschienenen Buchreihe "Die Angst sitzt neben Dir", in der er sich durch das Besprechen von unzähligen Filmen aller Genres (primär Phantastik) einen Namen als Autor und Rezensent machen konnte.

Die folgende Kritik wurde am 14.06.2017 eingetragen.




Franks Bewertung des Films
(0-5 Sterne für den Film, gefolgt von dem "Härtegrad" auf einer Skala von 0-10)

3 Sterne3 Sterne3 Sterne3 Sterne3 Sterne / 2


Der Arzt Kevin Riley macht mit Frau und Kind Urlaub in der Karibik. Und weil er seiner Familie mal etwas Besonderes gönnen möchte, mietet er von einem Einheimischen ein Motorboot, um übers Meer zu schippern. Ein Zwischenhalt auf einer unbewohnten Insel lässt das Urlaubsidyll jäh enden, denn der Motor streikt und man ist gestrandet. Als nach zwei Tagen ein Fischerboot dort hält, scheint die Rettung perfekt zu sein, doch leider entpuppt sich der Fischer als fieser Entführer, der Frau und Kind auf der Insel lässt und nur Kevin rettet, damit dieser ihm eine Millionen US-Dollar Lösegeld zahlt…

Fremde Länder sind für viele US-Filmemacher immer wieder gerne Orte des Schreckens. Sei es nun als ganz direkter Eingang zur persönlichen Folter-Hölle („Hostel“) oder aber als Warnung vor instabilen politischen Verhältnissen („No Escape“). Phil Volken schlägt mit seinem in Puerto Rico gedrehten, allerdings nicht ganz konkret zu verortenden „Erpressung“ eher in Richtung zweite Kerbe, kann oder wollte diese nicht ganz treffen (vielleicht wusste er ja schon, dass sich das assoziierte Puerto Rico momentan ganz konkret darum bemüht, 51. Bundesstaat der USA zu werden – und da wäre Negativwerbung nicht günstig). So werden zwar oberflächlich die Ängste vor Dritte-Welt-Ländern, in denen Kriminalität Alltag und Polizei ein anderes Wort für Unvermögen ist, geschürt, doch das nur sehr verhalten und nie plakativ im Vordergrund. Viel eher präsentiert sich der hier erzählte Entführungsfall fast schon als nichtssagender Allerwelts-Krimi, der mal wieder das Hohelied auf den wackeren Familienvater anschlägt, der alles tut, um seine Lieben zu schützen und zu retten. Und weil hier nicht Liam Neeson eine Schneise durch die bösen Fischer fräst, will heißen: das übliche „96 Hours“-Blei-Gewitter inszeniert wurde, sondern diesbezüglich „Erpressung“ auf dem Teppich bleibt, ist der Film sogar über weite Strecken etwas zäh geraten – von den unglaubwürdigen Wendungen will man da gar nicht weiter reden. Was bleibt, sind ein paar nette Karibik-Bilder, leidliche Spannung im Movie-Of-The-Week-Format, der 70jährige Danny „Murtaugh“ Glover in einer nutzlosen Nebenrolle und die Gewissheit, dass Urlaub in der Heimat immer die richtige Wahl ist – soweit man nicht in die Fänge der Saw-Family oder von sabbernden Backwoods-Geeks gerät. Bildformat: 2,35:1. Des weiteren mit Eion Bailey, Barkhad Abdi, Bethany Joy Lenz u. a.


© Selbstverlag Frank Trebbin



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